Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 03.08.2018


Festspiele Erl

Gustav Kuhn als Dirigent „nicht hinnehmbar“

Dass Kuhn in Erl vorerst weiter als Dirigent tätig sein soll, sorgt für scharfe Kritik von Grünen und SPÖ. Für Kulturlandesrätin Palfrader (ÖVP) stellt sich „die Frage des Dirigats derzeit nicht“.

© Rudy De Moor / TTGustav Kuhn.



Erl — Für die Grünen ist es „nicht hinnehmbar", dass Gustav Kuhn bis zur Klärung der gegen ihn erhobenen Vorwürfe weiter als Dirigent den Festspielen erhalten bleiben soll. Wenn man die Anschuldigungen ernst nehme, müsse Kuhn bis dahin „alle seine Funktionen in Erl ruhend stellen", verlangte Landtagsabgeordneter Georg Kaltschmid.

Die SPÖ-Kultursprecherin Selma Yildirim bezeichnete die Ankündigung als "unfassbar". "Wenn er nur seine Funktion als künstlerischer Leiter zurücklegt, ist das nicht mehr als eine kosmetische Korrektur", betonte Yildirim gegenüber der APA. Yildirim bezeichnete es als "empörend", dass der Stiftungsrat als Arbeitgeber seine Fürsorgepflicht gegenüber den betroffenen Frauen nicht wahrnimmt: "Das ist untragbar", so die Abgeordnete.

Kuhn im Herbst am Dirigentenpult

Der zum interimistischen Festspiel-Chef bestellte Andreas Leisner hatte im TT-Gespräch erklärt, dass das kommende Herbst-Programm mit Kuhn am Dirigentenpult geplant werde. Eine „inkonsequente Vorgehensweise", findet Kaltschmid.

Gustav Kuhn hatte am Dienstag die Leitungsfunktion der Tiroler Festspiele ruhend gestellt, nachdem in der Vorwoche fünf ehemals in Erl engagierte Künstlerinnen die seit Monaten kolportierten Vorwürfe gegen den Dirigenten bekräftigt haben. Inzwischen ging eine weitere Künstlerin an die Öffentlichkeit. Auch sie wirft Gustav Kuhn sexuelle Belästigung vor.

Das halbherzige Vorgehen werfe auch auf das Land und den Bund als wesentliche Sponsoren der Festspiele einen Schatten, monierte Kaltschmid: „Bei schwerwiegenden persönlich vorgebrachten Vorwürfen im öffentlichen Wirkungsbereich sollte rasches, weitreichendes und transparentes Handeln selbstverständlich sein." Schließlich gehe es um einen „respektvollen Umgang" mit den mutmaßlich Betroffenen.

Frage des Dirigats stellt sich für Palfrader derzeit nicht

Für Kulturlandesrätin Beate Palfrader (ÖVP) stellt sich „die Frage des Dirigats derzeit nicht". Mit Kuhns Rückzug als Künstlerischer Leiter sei der „erste wichtige Schritt" gesetzt. Alle weiteren „hängen vom Ergebnis der laufenden Untersuchungen ab". Sollten diese im Herbst noch nicht abgeschlossen sein, könne auch dann noch entschieden werden. (TT)