Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 04.08.2018


Tirol

Palfrader: “Politische Interventionen sind bei mir sinnlos“

Kulturlandesrätin Palfrader muss fast gleichzeitig die Führung der Festspiele Erl und der Landesmuseen neu besetzen.

© Andreas Rottensteiner / TTDas Landesmuseum.



Von Markus Schramek

Innsbruck, Erl – In Tirols Kulturszene sind aktuell gleich zwei Topjobs zu haben. Nicht für jedermann, sondern nur für Kapazunder auf dem Gebiet der klassischen Musik und Oper bzw. in der Museumswelt: Die Festspiele Erl und die Landesmuseen erhalten eine neue Führung.

Eine zentrale Figur bei der Postenvergabe ist in beiden Fällen Kulturlandesrätin Beate Palfrader (ÖVP). Die Politikerin sitzt in den entscheidenden Gremien, die gegen Jahresende neues Führungspersonal für das Erler Festspielhaus und für die Museen des Landes rekrutieren.

Zum Klinkenputzen in Palfraders Büro brauchen Bewerber aber gar nicht erst anzutreten. „Bei der Personalsuche zählt nur die Qualifikation. Parteipolitisch zu intervenieren, hat bei mir keinen Sinn“, sagt AAB-Obfrau Palf­rader wie zur Vorbeugung.

Beide Spitzenjobs waren turnusmäßig neu auszuschreiben. Schließlich laufen die Kontrakte von Erl-Leiter Gustav Kuhn (im Sommer 2020) und von Museumsdirektor Wolfgang Meighörner (Ende 2019) aus. Und doch sind beide Fälle sehr speziell.

Zu Erl ist nicht mehr viel zu sagen. Der Künstlerische Leiter Gustav Kuhn hat sich vor Kurzem selbst suspendiert, bevor es seine Vorgesetzten tun konnten. Dem Dirigenten werden von mehreren Künstlerinnen Machtmissbrauch und sexuelle Übergriffe vorgeworfen. Staatsanwalt und Gleichbehandlungekommission untersuchen die Vorwürfe, die Kuhn bestreitet.

„Von diesen Untersuchungen hängt es ab, ob Kuhn vor Ablauf seines Vertrages 2020 noch einmal in die Führung zurückkehrt“, sagt Palfrader. Andernfalls bleibt Interimschef Andreas Leisner, bisher Kuhns rechte Hand, so lange an der Spitze, bis die neue Führung bestellt ist.

Auch bei den fünf Landesmuseen (Ferdinandeum, Hofkirche, Volkskunstmuseum, Zeughaus und Tirol Panorama) war die Jobsuche von großer Aufregung begleitet.

Der Vertrag des amtierenden Direktors Wolfgang Meighörner sollte zunächst von 2019 bis 2023 verlängert werden. Meighörner missfiel es aber, dass parallel schon ein Nachfolger bestellt werden sollte – eine Doppelspitze auf Zeit also. Die zwei mächtigen Museumsdamen, Palfrader für den Gesellschafter Land, und Barbara Psenner als Obfrau des Museumsvereins, waren darüber so erzürnt, dass sie Meighörners Vertrag nun mit 2019 auslaufen lassen – ohne Verlängerung. Gesucht wird ein neuer Chef (Chefin) für die fünf Museen. Die Frist endet am 15. September.

In Erl ist die Bewerbungsfrist schon abgelaufen. 20 Bewerbungen liegen vor. „Externe Experten“ (Palfrader) ermitteln die besten Kandidaten und legen sie dem Dreier-Vorstand der Festspiele vor. Präsident Hans Peter Haselsteiner, Jürgen Meindl (Bund) und Landesrätin Palfrader haben das letzte Wort.

Auch im Fall der Museumsdirektion wird eine Fachjury die Vorauswahl vornehmen, ehe Palfrader und Psenner den Zuschlag erteilen.

Die Namen der Jurymitglieder sind geheim. Palfrader will nicht, „dass sich Bewerber an Jurymitglieder wenden“. Jobs wie diese sind eben gefragt.