Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 08.08.2018


Bühne

Verdi-Spektakel in Verona

„Nabucco“ von Guiseppe Verdi zählt zu den meistaufgeführten Opern im Amphitheater von Verona.

© Fondazione Arena di Verona„Nabucco“ ist beim Publikum beliebt, insbesondere wegen des Gefangenenchors.Foto: Fondazione Arena di Verona



Verona – Mediterrane Abendstimmung breitet sich über der italienischen Stadt Veron­a aus. Die dicken Mauern des römischen Amphitheaters, hinter denen einst grausige Gladiatorenkämpfe stattfanden, strahlen Hitze ab, die sie untertags in der sengenden Sonne gespeichert haben. Während der Sicherheitskontrollen – Fächer sind der absolute Verkaufsrenner – herrscht kein Gedränge, sondern heitere Urlaubsstimmung. Die Besucher sind leger gekleidet, sie bekommen kleine Kerzen geschenkt und freuen sich auf die Oper „Nabucc­o“ von Guiseppe Verdi. Als die Dunkelheit über die bis auf den letzten Platz besetzte Arena hereinbricht, kehrt Ruhe ein und ein leuchtendes Kerzenmeer ist zu sehen.

Verdis Drama in vier Akten wurde 1842 im Teatro alla Scala in Mailand uraufgeführt und war zwei Jahre später erstmals auf der Bühne des Teatro Filarmonico in Verona zu sehen.

Die Handlung der Oper kreist um das grausame Heer der Babylonie­r, die den Tempel in Jerusalem zerstören und die wehrlosen Israeliten gefangen nehmen. Die Hauptfigur der Oper ist der babylonische König Nabucco, der im 6. und 7. Jahrhundert vor Christus regierte und über ein großes Reich herrschte.

Die aktuelle Inszenierung orientiert sich allerdings nicht an diesem alttestamentarischen Stoff, sondern an der italienischen Geschichte. Der französische Regisseur Arnaud Bernard verlegt die Handlung in die Jahre zwischen 1848 und 1860, also in die Zeit der österreichischen Herrschaft über das lombardisch-venetische Königreich. Mit der Anknüpfung an die italienische Geschichte wollte Bernard das Drama menschlicher und glaubwürdiger erscheinen lassen, gleichsam die Epoche Verdis dem Publikum näherbringen. Diese historische Umstrukturierung erscheint jedoch willkürlich, zumal sie sich mit dem vorgegebenen Inhalt schlecht verbinden lässt.

Der Bariton Amartuvshin Enkhbat bringt Nabucco ausgezeichnet und mit starken Emotionen zur Geltung. Das einzigartige Ambiente der Arena und der beeindruckende Gefangenenchor sind Highlights, die über die Längen dieser Oper wohlwollend hinwegsehen lassen. (geta)