Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 11.08.2018


Tiroler Festspiele Erl

Festspiele Erl: „Winterfestspiele nicht gefährdet“

Nach wiederholten Übertretungen legt das AMS den Festspielen Erl die Beschäftigung von Künstlern aus Drittstaaten auf Eis. Auch die BH Kufstein ermittelt.

© Thomas Böhm / TTDas Festspielhaus in Erl.



Von Markus Schramek

Erl, Kufstein, Innsbruck – Offiziell sind die Tiroler Festspiele Erl auf Sommerpause. Doch von Ruhe ist keine Spur. Der Rücktritt Gustav Kuhns ist im Haus noch nicht verdaut. Der Künstlerische Leiter sah sich zum vorläufigen Abgang gezwungen, nachdem ihm fünf Künstlerinnen sexuelle Übergriffe vorgeworfen hatten. Staatsanwalt und Gleichbehandlungskommission untersuchen den Fall. Bis zu dessen Klärung bleibt Kuhn, der sämtliche Vorwürf­e bestreitet, suspendiert.

Gestern wartete die Tiroler SPÖ-Nationalrätin Selma Yildirim mit neuen, brisanten Fakten zur Causa Erl auf. Es geht um die unerlaubte Beschäftigung von ausländischen Künstlern. Also solche, die nicht aus der EU, sondern aus so genannten Drittstaaten stammen. In Erl werden seit Langem Künstler aus Nicht-EU-Staaten beschäftigt, etwa aus Weißrussland.

Die gesetzlichen Bestimmungen seien von den Festspielen Erl „nicht besonders ernst genommen worden“, kritisiert Yildirim. Den Beleg dafür hat sie von Sozialministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) erhalten. In einer Anfragebeantwortung teilt die Ministerin der Abgeordneten dies mit: „Die inzwischen festgestellte wiederholte unerlaubte Beschäftigung von Ausländern“ habe zur Folge, „dass für die Tiroler Festspiel­e Erl bis Jänner 2019 keine weiteren Beschäftigungsbewilligungen, Aufenthaltsbewilligungen für Künstler oder Rot-Weiß-Rot-Karten für sonstige Schlüsselkräfte erteilt werden dürfen“.

Ausgesprochen wurde dieses Verbot vom Arbeitsmarktservice (AMS) Tirol. Dessen Leiter Anton Kern bestätigt den Sachverhalt gegenüber der TT. „Wir sind aufgrund der medialen Berichterstattung im Frühjahr 2018 in Erl aktiv geworden“, sagt Kern.

In Erl beginnen am 26. Dezember die diesjährigen Winterfestspiele. Droht aufgrund des Beschäftigungsverbots für Künstler aus Drittstaaten ein personeller Engpass im Orchestergraben oder auf der Bühne? „Auf gar keinen Fall“, beruhigt Erl-Sprecherin Angelika Ruge. „Die Winterfestspiele sind nicht gefährdet.“

Wie viele Künstler von außerhalb der EU zuletzt üblicherweise in Erl tätig waren, kann Ruge allerdings auf die Schnelle nicht beziffern. „Es gibt jedenfalls ausreichend Ersatz durch Künstlerinnen und Künstler, die aus EU-Ländern stammen“, so Ruge.

Sie bestätigt, dass bei der BH Kufstein ein Strafverfahren wegen des Verdachts der unerlaubten Beschäftigung von Ausländern anhängig ist. „Es gibt noch kein Ergebnis, mehr können wir dazu nicht sagen“, so Ruge. Ob eine Straf­e fällig sei bzw. in welcher Höhe, sei nicht absehbar.

Auf der politischen Bühne verlangt Selma Yildirim indessen einen bundesweiten Kollektivertrag (KV) für Künstler, die in Österreich tätig sind. Einzig bei größeren Kultur­anbietern wie den Salzburger Festspielen würde ein solcher KV derzeit gelten. „Wird das gesamte künstlerische Personal nach demselben Kollektivvertrag angestellt bzw. bezahl­t, gehören Vorkommnisse wie in Erl der Vergangenheit an“, meint Yildirim.