Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 04.09.2018


Telfs

Tiroler Volksschauspiele: Nackte Tatsachen mag man eben

97 Prozent Auslastung bei den Volksschauspielen Telfs. Eine Bilanz garniert mit Seitenhieben.

© KrugDas soll einmal ein Striptease werden. Szene aus „Ladies’ Night“. Foto: Krug



Telfs – Presseaussendungen sind meist im Tonfall der Geschmacksrichtung „extra dry“ gehalten: staubtrocken. Markus Völlenklee, der scheidende Obmann der Tiroler Volksschauspiele in Telfs, nützte seine gestrige Medieninfo hingegen für eine launige Erfolgsbilanz mit Seitenhieben auf kritische Stimmen. Solche waren nämlich in und um Telfs zu hören – angesichts des heurigen Programms.

Die schon reichlich oft inszenierte Stripper-Komödie „Ladie­s’ Night“ – eine Handvoll arbeitloser Kerle zieht in der Hoffnung auf großes Geld auf der Bühne blank – wurde nach manchem Gout als für Telfs unpassend befunden. Die Zahlen der heurigen 36. Auflage der Volksschauspiele in Händen, lehnte sich Völlenklee zufrieden zurück: „Die Frage, ob ,Ladies’ Night’ ins Programm gehört oder nicht, hat das Publikum mit einem eindeutigen Ja beantwortet.“ Das klamaukhafte Treiben der Möchtegern-Stripper erwies sich mit 7000 Gästen wie erwartet als Zuschauermagnet.

Das Schauspiel „Die Wild­e Frau“, ein vergleichsweise tief-dramatischer Blick in menschliche Abgründe aus der Feder Felix Mitterers, lockte immerhin 4100 Besucher an. Inklusive Rahmenprogramm brachten es die Telfer heuer auf 12.000 Eintritte und eine Gesamtauslastung von 97 Prozent – eines der besten Ergebnisse der eigenen Geschichte.

Politkabarettist Markus Koschuh, vom Bürgermeister in Going aus Angst vor Ärger mit der Landesregierung wieder ausgeladen, füllte in Telfs übrigens gleich zweimal den Saal. „Danke, Going“, meinte Völlenklee (63) dazu lapidar. Er will sich nun seinem kleinen Sohn widmen und die Obmannschaft zu Jahresende übergeben. Als Regisseur und Darsteller soll er in Telfs aber weiter werken und wirken.

Auch Geschäftsführerin Silvia Wechselberger, schon seit 1983 in ihrer Funktion, macht weiter. „Voller Tatendrang“, wie sie versichert. Über das Programm 2019 hält sie sich aber noch bedeckt. (mark)