Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 15.09.2018


Uraufführung

Munteres Happy End im Kulturhotel

„Vier Stern Stunden“: Daniel Glattauers neue Komödie in den Kammerspielen der Josefstadt.

© KAMMERSPIELE DER JOSEFSTADTDer alternde Schriftsteller (August Zirner) und die allzu junge Noch-Freundin (Martina Ebm).Foto: APA/Kammerspiele der Josefstadt/Rita Newman



Wien – In lichte Höhen schwingt sich das ziemlich durchsichtig gebaute Bühnenstück dann auf, wenn sich der frustrierte Erfolgsautor Frederic Trömerbusch (August Zirner) mit der vom Leben enttäuschten Kulturjournalistin Mariella Brem (Susa Meyer) in eine philosophische Vorsilben-Diskussion verstrickt. Der von seiner jungen Freundin Ver- und die vom jungen Hoteldirektor Entlassene diskutieren beschwipst über die Bedeutungsunterschiede von ver- und entgiften, Ver- und Entzauberung, um darüber die Liebe zueinander zu ent-decken.

Nach den dramatisierten Bestsellerromanen „Gut gegen Nordwind“ und „Alle sieben Wellen“, nach „Die Wunderübung“ gelangte am Donnerstag Daniel Glattauers neuer Streich „Vier Stern Stunden“, abermals in der Regie von Michael Kreihsl, an den Kammerspielen der Josefstadt zur Uraufführung.

Gebeten ist man in das ländliche „Kulturhotel“ Reichenshoffer, wo der junge Hotelier David-Christian (Dominic Oley), dem verhassten „Kulturerbe“ seiner Ahnen folgend, für die überalterte Klientel Prominenz zum Publikumsgespräch lädt. Diesmal geht die Veranstaltung kräftig in die Hose, wird der herablassende Starautor Trömerbusch doch von der beflissenen Moderatorin Brem als „präpotentes Scheusal“ entlarvt, während dazwischen eine Burkaträgerin für Verwirrung sorgt. Diese „Regensucherin aus den Emiraten“ entpuppt sich als Trömerbuschs Freundin Lisa (Martina Ebm) auf Materialjagd für ihren Blog.

Der Reiz einer Beziehung mit dem gut doppelt so alten Autor, Leidenschaft und Liebe sind vorbei. Glattauer lässt sie, Lustspiel-Gesetzen folgend, mit dem Jungwirt und allerlei Plänen für zukünftige, zeitgemäße „Events“ im Dampfbad verschwinden.

So findet in den nur zeitweilig komischen achtzig Minuten jeder Topf sein Deckelchen, macht Susa Meyer aus ihrer Mariella den einzig „echten“ Charakter, während der in zahlreichen Filmrollen so wandlungsfähige August Zirner seltsam blass bleibt. Ein trotzdem zufriedengestelltes Publikum spendete herzlichen Beifall. (lietz)