Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 29.10.2018


Bühne

Tiroler Landestheater: Traumtanz im Zauberwald

Das Tanzstück „A Midsummer Night’s Dream“ nach Shakespeares vielschichtiger Komödie wurde am Samstag im Tiroler Landestheater uraufgeführt.

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© Rupert Larl



Von Gerlinde Tamerl

Innsbruck – Wer wollte diesem Kobold nicht folgen? Mit verführerischen Gesten lockt er das Publikum, ihm doch bitte ins Reich der Träume zu folgen. Tänzer Addison Ector spielt den schelmischen Kobold namens Puck so überzeugend, dass das Publikum schnell eintaucht in die zauberhafte Welt von William Shakespears „A Midsummer Night’s Dream.“ Das gleichnamige Tanzstück, choreografiert von Enrique Gasa Valga, feierte am Samstag im Großen Haus des Tiroler Landestheaters Premiere.

Der Sommernachtstraum erzählt unter anderem von der geplanten Hochzeit eines antiken Herrscherpaares und von der verbotenen Liebe zwischen Hermia und Lysander. Die schöne Hermia, dargestellt von der eleganten, italienischen Tänzerin Lara Brandi, will Demetrius (Nicola Strada) nicht heiraten. Ihre Verzweiflung darüber bringt sie leidenschaftlich zum Ausdruck, doch ihr Widerstand erscheint zwecklos, und so flieht sie mit ihrem Geliebten Lysander (Yulian Botnarenko) in den nahegelegenen Zauberwald. Unglücklicherweise weiht Hermia ihre Freundin Helena (Brigida Pereira Neves) in ihren Fluchtplan ein, und damit erhält Demetrius die Gelegenheit, ihr zu folgen. Helena bleibt dabei Demetrius dicht auf den Fersen, denn sie ist wiederum in ihn verliebt. Ruhelos irren die Paare durch den Zauberwald, in dem sich neben Handwerkern auch ein mächtiges Elfenkönigspaar samt Gefolge aufhält.

Choreograf Gasa Valga orientiert sich weitgehend am Original von William Shakespeare und bringt damit ein großes Spektrum von Gefühlslagen in seiner Inszenierung unter. Die siebzehn Tänzer überzeugen dabei nicht nur durch Soloeinlagen und enorme Körperbeherrschung, sondern auch durch schauspielerisches Können. Die komplexe Choreografie, klassisch und modern konzipiert, bewältigen die Tänzer beinahe mühelos und das trotz der zahlreichen kraftraubenden akrobatischen Einschübe. Für den Zuschauer erscheinen die Darbietungen der Tänzer geradezu federleicht und so verstärkt sich der Eindruck, die Tänzer würden selbst in einer Traumwelt schweben. Das Ambiente des puristischen Bühnenbildes (Helfried Lauckner) mit seinen einfachen, aber raffinierten Lichteffekten (Florian Weisleitner) verstärkt dieses Gefühl der Schwerelosigkeit.

Der Abend erwies sich auch in vielerlei Hinsicht als musikalisches Highlight, so erklangen Weiterentwicklungen weltberühmter Kompositionen, etwa Vivaldis „Vier Jahreszeiten“, aber auch Stücke von Astor Piazzolla, Max Richter und Philip Glass.

Die Kostümbildnerin Eva Praxmarer setzt das Thema des Zauberwaldes in ihren detailverliebten Kostümen um. Gekonnt spielt sie mit Blattmotiven und mit dem Thema des Versteckens und Präsentierens. Das Publikum belohnte die Tänzer am Ende dieses traumhaften Abends mit Standing Ovations. Choreograf Enrique Gasa Valga erschien sichtlich gerührt auf der Bühne und schickte einen leidenschaftlichen Kuss ins Publikum.