Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 07.11.2018


Bühne

„Viele wissen nichts vom Angebot“

Seit zehn Jahren ermöglicht die Initiative „Hunger auf Kunst und Kultur“ armutsgefährdeten Menschen freien Zugang zu Kultureinrichtungen.

© JaroschDie Innsbrucker Off-Bühne Theater praesent ist einer von tirolweit 80 Kooperationspartnern, bei denen der Kulturpass gilt.



Innsbruck – Die Teilnahme am kulturellen Leben ist ein Menschenrecht. Das kann im 27. Artikel der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“, auf die sich die Vereinten Nationen vor gut 70 Jahren, am 10. Dezember 1948, einigten, nachgelesen werden. Im gelebten Alltag freilich hat der Zugang zu kulturellen Veranstaltungen untergeordnete Bedeutung. Vor allem, wenn die monetären Möglichkeiten überschaubar sind. „Wenn das Einkommen kaum für das Notwendigste reicht, bleibt für Kunst und Kultur nichts übrig“, sagt Theresa Waas. Über den Verein „unicum:mensch“ koordiniert die Innsbrucker Schauspielerin seit gut drei Jahren den Tiroler Ableger der Initiative „Hunger auf Kunst und Kultur“ (HaKuK). HaKuK bietet den Kulturpass an. Die Idee dahinter ist simpel: Er ermöglicht Menschen, die unter der jährlich erhobenen „Armutsgefährdungsschwelle“ leben, freien Zugang zu Kulturinstitutionen wie Museen oder Theater. Beantragt kann der Kulturpass bei verschiedenen Sozialeinrichtungen werden, in Innsbruck beispielsweise bei der Caritas oder in den ISD-Sozialzentren.

Tirolweit wurden 2017 rund 1800 Pässe ausgegeben, die in etwa 80 Einrichtungen – von den Landesmuseen über ausgewählte Landestheaterproduktionen bis zu den Telfer Volkschauspielen – gültig sind. Allerdings: Allein in Tirol geht man von etwa 110.000 Menschen aus, die armutsgefährdet sind. „Es gibt also viel Raum nach oben“, sagt Waas.

Auch deshalb will sie das Projekt, das 2003 als Initiative des Wiener Schauspielhauses und der Österreichischen Armutskonferenz begann, bekannter machen. In Tirol gibt es den Kulturpass inzwischen seit zehn Jahren. „Trotzdem wissen viele, die eigentlich Anspruch hätten, nichts von dem Angebot“, erklärt Waas. Für sie steht außer Zweifel, dass Scham und Angst vor Stigmatisierung sinken, wenn die Zahl der Kulturpass-Nutzer steigt. Das hätten positive Beispiele aus Wien und der Steiermark zuletzt bewiesen. In Tirol sei gerade im ländlichen Bereich Aufklärungsarbeit wichtig.

Finanziert wird „Hunger auf Kunst und Kultur“ vornehmlich durch Zuwendungen der öffentlichen Hand. Außerdem gibt es Spendenboxen, durch die kooperierende Einrichtungen unterstützt werden.

Seinen 10. Geburtstag feiert der Tiroler „Hunger auf Kunst und Kultur“ heute ab 16 Uhr mit Konzerten von Ratzfatz und Hhanoi sowie einem DJ-Set von Justin Barwick in der Innsbrucker „bäckerei“. (jole)