Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 09.11.2018


Tiroler Landestheater

Das Grauen im Ansitz Usher

© LarlJon Jurgens (Roderick) und Anna-Maria Kalesidis (Madeline) als liebendes Geschwisterpaar, davor Alec Avedissian als Gast William.Foto: Larl/TLT



Roderick Usher ist krank und bittet seinen Freund William zu sich auf das Anwesen des englischen Adelsgeschlechts. Die Szenerie ist erschreckend, düster wie das Haus der Gemütszustand des letzten Usher. Außer ihm lebt noch Zwillingsschwester Madeline hier.

Rodericks zerrütteter Geisteszustand verschlechtert sich, es kommt zu einem seltsamen Begräbnis. Williams Rittergeschichte ruft statt Erheiterung weiteres Entsetzen hervor und der Hausherr gesteht, die Schwester lebendig begraben zu haben. Sie aber erscheint blutüberströmt und wirft sich auf den Bruder, der an seinem Schock stirbt. Das Haus Usher bricht zusammen und versinkt.

„The Fall of the House of Usher“ — der Untergang des Hauses Usher — ist eine der bekanntesten Kurzgeschichten des amerikanischen Gruselspezialisten Edgar Allen Poe, der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Leser mit Übersinnlichem, Makabrem und Mehrdeutigkeit verstörte. Ein Fall für die mit minimalistischen Effekten arbeitende Musik des in diesem Genre legendären Amerikaners Philip Glass.

Seine Oper nach Poes Erzählung wurde 1988 in Cambridge uraufgeführt und hält sich bis heute auf den Spielplänen. Ab morgen Samstag in pausenlosen 90 Minuten auch am Landestheater.

Dem Komponisten war heuer schon ein Glass-Tag bei der „Musik im Riesen“ gewidmet. Den Klangteppich im TLT legt nun das Tiroler Symphonieorchester Innsbruck, es singen Alec Avedissian (William), Jon Jurgens (Roderick), Anna-Maria Kalesidis (Madeline) und Dale Albright.

Die Spannung der Besucher zielt nicht nur ab auf die Aufführung in der Regie Johannes Reitmeiers, die Ausstattung und Seokwon Hongs musikalische Leitung, sondern auch auf die Bewährung der neuen Kammerspiele im Haus der Musik bei der ersten Musiktheater-Premiere. (u.st.)