Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 12.11.2018


Westbahntheater Innsbruck

„Arthur & Claire“: Die Lust aufs Leben feiern

Das Stück „Arthur & Claire“ von Stefan Vögel feierte am Samstag im Westbahntheater Premiere.

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© Christoph Tauber



Von Gerlinde Tamerl

Innsbruck — Eine Frau betritt ein spärlich eingerichtetes Hotelzimmer in Amsterdam. Sie wühlt in ihrer Tasche, rauft sich die Haare, geht nervös im Raum hin und her. Schließlich leert sie den Inhalt ihrer Handtasche auf dem Boden aus. Zum Vorschein kommen Tabletten, eine kleine Schnapsflasche und ein langes Kabel. Die Gegenstände deuten darauf hin, dass sich die junge Frau namens Claire (Luka Oberhammer) das Leben nehmen möchte. Claire stellt sich aber ungeschickt an, offenbar kann sie sich nicht entscheiden, ob sie Tabletten schlucken oder sich die Pulsadern aufschneiden soll. Während sie hadert, hört sie lautstark Musik.

Plötzlich wird die Lebensmüde von einem Klopfen an ihrer Hotelzimmertür gestört. Der 50-jährige Arthur (Konrad Hochgruber) kann nicht ahnen, dass er soeben Claires Tod verhindert hat. Claire hingegen weiß nicht, dass Arthur unheilbar an Lungenkrebs erkrankt ist und auch er seinem Leben ein Ende setzen will, allerdings in einer Klinik für Sterbehilfe. Die beiden liefern sich wilde Wortgefechte über den Sinn des Lebens. Obwohl Hochgruber und Oberhammer die Rollen überzeugend spielen, wirken die Dialoge stellenweise etwas angestrengt und überspannt.

Die stärkste Szene ist jene, in welcher Claire und Arthur beschließen, das Leben noch einmal richtig zu feiern. Die beiden tanzen in der Disco zum mitreißenden Sounddesign von Gilbert Handler, dann rauchen sie einen Joint und landen schließlich im Bett. Claire ist am Morgen danach überglücklich und hat ihre Todesgedanken vergessen, doch Arthur will trotzdem sterben.

Oberhammer spielt die verzweifelte Frau, die sich zwanghaft an einen Mann klammert, souverän, doch so richtig will der Funke nicht überspringen. Zu oft stößt man sich an den Geschlechterklischees. Störend ist, dass Claire zu lange in Unterwäsche mit Arthur diskutiert. Ihre Nacktheit betont die ohnehin schon starke Asymmetrie ihrer Beziehung noch zusätzlich. Dabei entsteht der vermeidbare Eindruck, Claire wäre Arthur nur auf der Ebene der Verführung gewachsen. Von Regisseurin Leila Müller hätte man diesbezüglich mehr Feingefühl erwartet.

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