Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 23.11.2018


Kellertheater

“Der Fall Weber“: Plötzlich auf dem Abstellgleis

Das Innsbrucker Kellertheater erlebt am Samstag mit Manfred Schilds „Der Fall Weber“ eine Uraufführung und 2019 auch den 40. Geburtstag.

Manfred Schild leitet seit acht Jahren das Kellertheater.

© KellertheaterManfred Schild leitet seit acht Jahren das Kellertheater.



Von Markus Schramek

Innsbruck – Den eigenen 50er hat Manfred Schild heuer gut überstanden. Doch der Leiter des Innsbrucker Kellertheaters hat schon den nächsten runden Geburtstag im Auge: Das Theater am Adolf-Pichler-Platz wird nächstes Jahr 40 Jahre alt. Das wird gefeiert. Aktuelle und ehemalige Schauspieler des Hauses sollen das kleine Schauspielhaus hochleben lassen. Von Tobias Moretti abwärts, wenn möglich. Vieles befindet sich erst im Stadium der Planung.

Weit fortgeschritten sind dagegen die Vorarbeiten für die nächste Premiere; genau genommen ist es sogar eine Uraufführung. Sie geht am Samstag um 20 Uhr über die Bühne im Keller.

Theaterchef Schild trägt Verantwortung in zweifacher Hinsicht. Er führt Regie, wie gewohnt, doch diesmal stammt auch der Text aus seiner Feder: „Der Fall Weber“ heißt Schilds neues Stück.

Formal ist es ein Krimi, weil der leitende Mitarbeiter eines Unternehmens auf mutmaßlich mörderische Art und Weise zu Tode kommt. Schild hat um den Kriminalfall aber keinen Polizeiklamauk angeordnet, sondern eine ernstzunehmende Problematik. „Es geht darum, dass eine Chefsekretärin nach 40 Berufsjahren in Pension geschickt wird, weil sie als ,zu alt‘ gilt“, erzählt Schild der TT.

„Frau Weber“ gerät unter Tatverdacht. Ein junges Duo von Kriminalpolizisten, Mann und Frau, ermittelt. Der Altersunterschied ist bewusst gewählt. Denn Schild geht es auch um das Aufeinandertreffen der Generationen. Die ältere fühlt sich auf dem Abstellgleis entsorgt, die jüngere drängt nach. Dialog findet wenig statt. Im Zuge der Ermittlungen wird das Bild von „Frau Weber“ immer klarer, einer Frau, die sich Zeit ihres Berufslebens in einer von Männern dominierten Welt behaupten musste.

Ob und wie der „Fall Weber“ gelöst wird und wer die Tat begangen hat, das verrät der schreibende Regisseur Schild selbst auf gefinkelte Nachfrage natürlich nicht. Immerhin ist die Besetzungsliste kein Geheimnis. Als Frau Weber ist die versierte Bühnen- und TV-Schauspielerin Ute Heidorn zu sehen. Ihr hat Schild, wie er selbst zugibt, sehr viel Text zugemutet: „Ute musste ordentlich büffeln.“ Benjamin Lang und Wiltrud Stieger spielen die Kriminalpolizisten. Ein spannender Theaterabend kann beginnen.