Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 24.11.2018


Bühne

Frühstücken mit Thomas Bernhard

Janine Wegener ist seit 13 Jahren Ensemblemitglied des Tiroler Landestheaters. Ab morgen ist sie in „Amras“ im K2 zu erleben.

null

© Foto TT / Rudy De Moor



Von Joachim Leitner

Innsbruck – Vor dem ersten Kaffee sei sie ungenießbar, sagt Janine Wegener – und bestellt Tee. Ihren morgendlichen Stimmungsaufheller hat sie bereits getrunken. Mit Thomas Bernhard. „Seit Wochen frühstücke ich täglich mit Bernhard“, sagt die Schauspielerin. „Wir mussten uns schließlich kennen lernen, sonst könnte ich das, was er geschrieben hat, nicht zum Leben erwecken.“

Morgen Sonntag hat die Bühnenfassung von Bernhards Prosaarbeit „Amras“ im K2 des Tiroler Landestheaters Premiere. Wegener spielt in dem Vier-Personen-Stück weniger eine Figur als „das Alter Ego einer Figur“. „Dafür musste ich den Text aufbrechen, seine Musik durchdringen, meine eigenen Bilder finden“, erklärt sie. Und dafür brauchte sie Bernhard.

Als Großgrantler und vielzitierten „Übertreibungskünstler“ hat sie den 1989 verstorbenen Autor dabei nicht kennen gelernt: „Selbst wenn es, wie in ‚Amras‘ um alles, um Leben und Tod geht, gibt es da auch das Verschmitzte und Verspielte“, so Wegener. Auch dem müsse man gerecht werden, wenn man Thomas Bernhard ernst nehmen wolle.

Auf der Bühne steht Janine Wegener seit ihrem dreizehnten Lebensjahr. Damals wurde in ihrer Heimatstadt Braunschweig für die Brecht-Oper „Die Verurteilung des Lukullus“ eine Nachwuchsdarstellerin gesucht, deren Stimme auch den dritten Rang erreichte. „Seither bin ich Theatermensch. Ohne diesen ganz eigenen Theatergeruch könnte ich nicht leben“, sagt sie. In späteren Jahren stand Wegener auch gelegentlich vor der Kamera. Auch für größere Produktionen, etwa die deutsche Erfolgsproduktion „Workaholic“ (1996). Drehen sei aber nichts für sie, gibt Wegener im TT-Gespräch freimütig zu: „Ich kann das nicht besonders gut. Dieses In-eine-bestimmte-Richtung-Schauen, nur weil es der Kamerawinkel verlangt, liegt mir nicht. Die intensive und manchmal hochemotionale Arbeit am Theater liebe ich. Ich brauche den Probenprozess – und das Gefühl, dass eine Produktion gemeinsam erarbeitet wird.“

Seit gut 13 Jahren ist Janine Wegener Ensemblemitglied des Landestheaters. Genaugenommen bereits zum zweiten Mal. 1986, unmittelbar nach ihrer Ausbildung an der renommierten Münchner Falkenberg-Schule, wurde sie vom damaligen Intendanten Helmut Wlasak ans Landestheater geholt. Zwei Jahre später zog sie weiter. „Ich wollte die Welt sehen, herausfinden, was anderswo gespielt wird.“

Nach Engagements in der Schweiz und Deutschland landete sie in Wien. Otto Schenk, der sie bereits in Innsbruck auf der Bühne sah, holte sie schließlich an das Theater in der Josefstadt, dessen Ensemble sie sieben Jahre angehörte.

Die Rückkehr nach Innsbruck war zunächst Zufall: „Ich sprang kurzfristig für einen Part ein, den ich in Wien bereits gespielt hatte.“ Seit 2005 ist sie erneut Ensemblemitglied. „Das Landestheater ist mein Zuhause, meine Familie. Hier fühle ich mich geborgen und gefordert. Vor allem aber spüre ich jenes Vertrauen, das ich brauche, um im Probenprozess und auf der Bühne meine Seele aufzumachen“, sagt sie.




Kommentieren


Schlagworte