Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 23.12.2018


Bühne

Osterfestival Tirol: Utopie? Heimat haben, Heimat suchen

Das Osterfestival Tirol vom 5. bis 21. April 2019 in Innsbruck und Hall steht unter dem Motto „heimat.welt“.

„Twenty-seven perspectives“ hält die junge Französin Maud Le Pladec für das Osterfestival bereit und wählte dafür Musik von Franz Schubert.

© Osterfestival„Twenty-seven perspectives“ hält die junge Französin Maud Le Pladec für das Osterfestival bereit und wählte dafür Musik von Franz Schubert.



Hall, Innsbruck – Das Osterfestival Tirol stellt innerhalb seiner Hommage an die Kunst immer auch aktuelle Fragen, im April 2019 unter dem Motto „heimat.welt“.

Schon das Eröffnungskonzert verweist auf „Heimatsuche – Emigrationen“ am Beispiel der Zweiten Wiener Schule mit Schönberg, Berg, Webern und ihnen verbundenen Komponisten wie Zemlinsky. Das belgische Het Collectief kümmert sich darum. Das wohlbekannte Freiburger ensemble recherche entführt zu weltmusikalischen Klängen aus Korea und Indonesien. Der große Lautenist und Stammgast von St. Barbara, Hopkinson Smith, kommt mit der Sopranistin Mariana Flores für Passionsmusiken des frühen 16. und 17. Jahrhunderts. Das Ensemble Scherzi Musicali wird sich der Musik des belgischen Komponisten Joseph-Hector Fiocco aus dem 18. Jahrhundert widmen.

Ein besonderes Projekt ist für den 18. April 2019, Gründonnerstag, vorzumerken: Zwei außergewöhnliche Pianisten, Igor Levit und Markus Hinterhäuser, interpretieren auf zwei Klavieren die sieben „Visionen des Amen“ von Olivier Messiaen.

Die Cantori Gregoriani Milano gestalten wieder die Liturgien am Karfreitag und Karsamstag. Samstagabend dann Musik „Aus der Tiefe …“ von Messiaen, Galina Ustvolskaya und Edgar Varese mit dem Tiroler Ensemble Windkraft unter Kasper de Roos’ Leitung.

Im Bereich Tanz, Performance und Theater kommt es mit mehreren Premieren im deutschsprachigen Raum zu (Wieder-)Begegnungen mit Choreographien von Wim Vandekeybus, der „Go Figure Out Yourself“ zeigen wird und als Österreich-Premiere „Trap Town“, wo er im Miteinander verschiedener Kunstformen in ein paralleles Universum führt.

Die erste Arbeit des iranischen Choreographen Ehsan Hemat stellt das Individuum einer totalitären Autorität gegenüber. Dabei sind drei Personen in einen Raum gesperrt. Die junge französische Choreographin Maud Le Pladec präsentiert vor Franz Schuberts „Unvollendeter“ ihre „Twenty-seven perspectives“ und denkt dabei an „ein Stück mit Resonanz – ein leeres Blatt –, mit der ich immer wieder anfange“.

Erstmals im deutschsprachigen Raum zu sehen ist auch „Panorama“ des italienischen, multiethnisch besetzten Theaterkollektivs Motus.

Verschieden wie die Programmpunkte sind auch die Veranstaltungsorte: Kirchen, Theater, Universität, Salzlager, u. a. Im Innsbrucker Leokino werden diese Filme laufen: Michael Hanekes „Das weiße Band“, bekanntlich war da Christian Berger an der Kamera, „Macondo“ von Sudabeh Mortezal am Karfreitag und „Das Evangelium nach Matthäus“ von Pier Paolo Pasolini.

Eine Lesung mit Gespräch zum Thema „Heimat als Utopie?“ mit Roberta Dapunt und Irena Brežná wird im Literaturhaus am Inn in Innsbruck stattfinden. (u.st.)

Infos: www.osterfestival.at