Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 30.12.2018


Kabarett

Koschuh und Haider: Zwei Lästermäuler sind nicht stillzukriegen

Polit-Kabarettist Markus Koschuh und seine Partnerin Julie Haider widmen sich in “Jahrmarkt der Heiterkeiten“ den Tops und Flops des Jahres.

Im Kellnerlook servieren Markus Koschuh und Julie Haider ihre kabarettistische Jahresbilanz.

© TT/Rudy De MoorIm Kellnerlook servieren Markus Koschuh und Julie Haider ihre kabarettistische Jahresbilanz.



Von Markus Schramek

Innsbruck – Viel schlimmer geht’s wirklich nimmer: Zwei von zwei Bühnenakteuren krank und angeschlagen, Probetage fallen aus, die Stimmen ein krächzendes Etwas. Die Premiere des „Jahrmarkts der Heiterkeiten“ am Freitag im Treibhaus stand vor der Absage.

Doch Polit-Kabarettist Markus Koschuh und seine Partnerin Julie Haider trotzen den Vorzeichen. Punkt 20.18 Uhr stehen sie auf der Bühne. Und widmen sich zwei Stunden lang den Tops und Flops des zu Ende gehenden Jahres. Wer es nicht weiß, bekommt kaum etwas mit davon, wie wackelig beide noch vor Kurzem auf den Beinen standen. Ganz so einfach sind bestens ausgeprägte Lästermäuler eben nicht zum Verstummen zu bringen.

Uns im prallvollen Zuseherraum (ideal, um mit Sitznachbars Ellbogen Bekanntschaft zu machen) kann das planmäßige Erscheinen der zwei Plaudertaschen nur recht sein. Ein abendfüllendes Kabarett mit derart viel Tempo, Witz und Musikalität ist nicht alltäglich.

Klar, Herrn Koschuhs Denkmuster kennen wir schon: Die FPÖ ist sein erklärter Lieblingsfeind. An Innenminister Herbert Kickl kommt er nicht vorbei. Auf einem Spielzeugpferd namens „Herbfert“ galoppiert Koschuh in den Saal und gibt, wild schnaubend, Parolen wie „Pferdeschwanz statt Toleranz“ oder „Edelstute statt Balkanroute“ von sich. Und auch „der Kerl in Erl“, ein gewesener Festspielchef mit etlichen Schlagzeilen anno 2018, bekommt sein Fett ab.

Julie Haider ergänzt ihren Kollegen vortrefflich. Mit flinken Fingern überbrückt sie am Soundcomputer manch ungewollte Gesprächspause. Ihr Gesang ist trotz grippaler Attacken schwer in Ordnung. Mit dem tieftraurigen Hit „Zombie“ von den Cranberries erinnert Haider an Dolores O’Riordan, die heuer mit 46 Jahren verstorbene Sängerin der irischen Band.

Auch Koschuh weiß sein musikalisches Talent zu nützen. Sein „Kanzler-Rap“, mit etlichen Strophen und glasklar verständlicher Artikulation, wird zur Abrechnung mit der türkis-blauen Bundesregierung. Ein eindrücklicher Text, bei dem so mancher Lacher im Halse stecken bleibt.

Ein großer Spaß ist das Innsbruck-Special: Die Stadtpolitik wird mit Figuren aus dem Kasperltheater herzhaft veralbert.

Fazit: sehenswert, unterhaltsam – und gesund bleiben!