Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 05.01.2019


Bühne

Visionen, Frauen, der Sarg

Jahresregent Maximilian I. in der dramatischen Renaissance-Allegorie der Tiroler Festspiele Erl.

Maximilian (Ronald Seboth) mit seiner heißgeliebten ersten Frau, Maria von Burgund (Maria Radoeva).

© Tiroler Festspiele Erl/NawrathMaximilian (Ronald Seboth) mit seiner heißgeliebten ersten Frau, Maria von Burgund (Maria Radoeva).



Erl – Ein ganzes Maximilianjahr – das hätte ihm gefallen, dem römisch-deutschen Kaiser. Wie es nun, 500 Jahre nach seinem Ableben, für 2019 in Tirol proklamiert wurde. Die multimediale Aufbereitung entspricht ihm vollends, dem feudalen Selbstdarsteller und Selbstinszenator. In der Innsbrucker Hofburg läuft noch bis 20. Jänner die audiovisuelle Lightshow „Max 500“.

Der theatralische Start wurde am Donnerstag bei den Tiroler Festspielen Erl hingelegt, „Maximilian“ war der schlichte Titel für die „Dramatische Renaissance-Allegorie für einen Schauspieler, zwei Soprane, kleinen Chor und Orchester“ im Festspielhaus. 90 Minuten einer stark stilisierten Musiktheaterform zwischen Oper und Melodram, einzige Vorstellung eines aufwändigen Projekts, um die Person Maximilian I. stärker im Bewusstsein der Tiroler Öffentlichkeit zu verankern. Warum ihm da Andreas Hofer voraus sei, fragt der Herrscher verständnislos.

In Gestalt des Schauspielers Ronald Seboth streift der gereifte Maximilian über das Schachbrettmuster des Bühnenbodens und durchs Auditorium. Sein Leben räsonierend, bleibt dieser Spiegel des wortgewandten, der Kunst, der Jagd und den Frauen zugetanen Exzentrikers, der politisch, sozial und wirtschaftlich viel zu berichten hätte, weitgehend privat, konzentriert auf seine beiden Ehen. Wie in den vier letzten Lebensjahren hat der an Visionen und Ungeduld reiche Mann seinen Sarg bei sich. Als Ehefrauen sind für die Arien mit Maria Radoeva (die geliebte Maria von Burgund) und Lada Kyssy (die nie akzeptierte Maria Bianca Sforza) zwei der führenden Sopranistinnen der Erler Festspiele aufgeboten.

Auf dem Schachbrett verschieben sich auch die Choristen und ein Dutzend überlebensgroße dunkle Figuren, die einerseits die „Schwarzen Mander“ der Innsbrucker Hofkirche zitieren, andererseits den Menschen in mittelalterlicher Anschauung verkleinern. Das ergibt, in entsprechender Beleuchtung, imposante Bilder (Szene: Charlotte Leitner). Die Texte der Monologe mit einigen fremden sprachlichen Momenten sowie der Arien schrieb der Tiroler Autor Robert Prosser.

Von Interesse ist die Musik, von Beomseok Yi zusammengestellt und geleitet. Er stellt Originalkompositionen der Renaissance, von dem italienischen Spezialistenensemble Stereo Tipi stilsicher gesungen, Arrangements gegenüber, die er gemeinsam mit Stefano Teani auf Musik von Maximilians Hoforganisten Paul Hofhaimer, sowie Heinrich Isaak, Josquin Desprez u. a. schuf. Das Komponistenduo ging mit Sinn für Transparenz und kontrapunktische Finessen ans Werk und streute maßvoll auch neue, nun radikal erdachte Musik ein. Orchester und Chor der Festspiele waren mit gewohntem Einsatz dabei. (u.st.)