Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 20.01.2019


Innsbruck

Das Jüngste Gericht erstmalig in Tirol

Der Nachwuchs-Kabarettist Christoph Fritz debütierte am Freitag im Treibhaus, und damit überhaupt in Tirol.

Weiches Gesicht, harte Pointen: Christoph Fritz mit gutösterreichischem Programm.

© GasserWeiches Gesicht, harte Pointen: Christoph Fritz mit gutösterreichischem Programm.



Innsbruck – Eigentlich heiße er „Gaggi“ Fritz. „Christoph“ sei nur sein Künstlername. Der Nachwuchs-Kabarettist Christoph Fritz debütierte am Freitag im Treibhaus, und damit überhaupt in Tirol. Sein bubenhaftes Aussehen bot Stoff für eine ganz­e Reihe an Witzen, wie zum Beispiel: „Der 24-Jährige, der aussieht wie ein 15-Jähriger, der aussieht wie ein 12-Jähriger, der aussieht wie ein Achtjähriger, der aber für einen Achtjährigen wieder recht alt aussieht.“ Oder: „Ich habe den gleichen Bartwuchs wie mein­e Oma.“

Christoph Fritz gibt sich als schüchterner Schuljunge, spricht leise und ruhig, sein Eindruck ist introvertiert und zurückhaltend. Das Mikrofon umklammert er wie der Ministrant die Kerze. Diese Haltung zahlt sich aus, weil echte Nervosität nicht mehr von gespielter unterschieden werden kann. Das heißt aber nicht, dass sie nicht da ist. Spontane Witze kommen selten. Das Programm wirkt auswendig gelernt und runter­geleiert. Dafür sind die Pointen umso härter. Durch den Kontrast zur schüchternen Ausgangsposition kommt der Inhalt knallhart daher. Selbstschonungslos erzählt er von missglückten Dates und Flirtversuchen – scheinbar interessierten sich nur „kurzsichtige Pädophile“ für ihn.

Inhaltlich spannt Fritz den Bogen nicht allzu weit. Er beginnt in seiner Kindheit und Schulzeit in einem niederösterreichischen Kaff, in dem „Veganismus als Einstiegsdroge für Homosexualität“ gesehen wird. AHS stehe für „Allgemein Hilflose Schule“. Seinen Titel „Bachelor of Arts in Business“ versteht er selbst nicht, weil „Englisch hatten wir nicht“. Erste Berufserfahrungen durfte er in einer Firma machen, die „schiache Badehauben herstellt“.

Abschließend widmet er sich noch existenziellen Fragen zwischen Todesglorifizierung und Suizidfaulheit. Christoph Fritz bietet somit alles, was ein erfolgreiches, österreichisches, schwarz-humoriges Kabarettprogramm haben muss. Sensationell originell ist das nicht, aber trotzdem lustig. Auch einige – desillusionierende – Weisheiten gelingen ihm: „Wahrscheinlich ist das Leben wie ein Kabarettprogram­m. Man wartet auf die nächste Pointe, und auf einmal ist es aus.“ (lg)