Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 19.01.2019


Bühne

„Die Österreicherinnen“: „Die Geschichte ist immer eine Geschichte“

Nestroy-Preisträger Felix Hafner inszeniert „Die Österreicherinnen“ in den Kammerspielen. Heute ist Premiere.

Sara Nunius, Ronja Forcher, Antje Weiser, Marion Fuhs und Janine Wegener (v. l.) sind „Die Österreicherinnen“. Ab heute in den Kammerspielen.

© TLT/LArlSara Nunius, Ronja Forcher, Antje Weiser, Marion Fuhs und Janine Wegener (v. l.) sind „Die Österreicherinnen“. Ab heute in den Kammerspielen.



Innsbruck – Es ist nicht nur das nachgereichte Stück zum 2018 begangenen 100. Republiks-Geburtstag, sondern gewissermaßen auch das Stück zum kürzlich eröffneten „Haus der Geschichte“. Auch in Thomas Arzts „Die Österreicherinnen“, das als Auftragswerk der Tiroler Landestheaters heute Abend in den Kammerspielen uraufgeführt wird, geht es um eine Ausstellung zum Österreich-Jubiläum. Und um einen Windstoß, der das säuberlich geordnete Archiv durcheinanderbringt. Die fünf Ausstellungs-Kuratorinnen – mit schönsten Schmonzetten-Schmalznamen Sissi, Franzi, Maxi, Babsi und Erni – waren sich freilich schon davor nicht grün: Das Politische drängt sich in Private, die Deutungshoheit über das, was ist, und das, was war, will behauptet werden.

„Die Österreicherinnen“ sei kein Stück über Österreich, sagt Regisseur Felix Hafner. Vielmehr gehe es um Fragen von globaler Gültigkeit. Wie geht man mit der Vergangenheit um? Was bekommt Bedeutung? Was wird wie benannt? Was ausgespart? „Wir wollen aufzeigen, dass Geschichte immer eine Geschichte ist – etwas Konstruiertes“, so Hafner. Ein zweiter Schwerpunkt liege auf Fragen des gesellschaftlichen Miteinanders: „Nicht nur in Österreich prallen derzeit politische Ansichten aufeinander, die sich kaum vereinbaren lassen. Die drohende Spaltung der Gesellschaft hat uns schon während der Arbeit am Stück sehr beschäftigt“, so der 27-Jährige, der für seine Inszenierung von Molières „Der Volksfeind“ 2017 den Nachwuchsnestroy erhalten hat.

„Die Österreicherinnen“ entstand in enger Zusammenarbeit von Hafner und dem ebenfalls mehrfach ausgezeichneten oberösterreichischen Dramatiker Thomas Arzt. Dieser habe letztlich einen Text vorgelegt, dann man „wie eine Partitur“ behandeln muss, so der Regisseur: „Ungemein musikalisch, rhythmisch – aber nie bloße Klangspielerei.“ Die musikalischen Qualität des Werkes will Felix Hafner auch um musikalische Zwischenspiele erweitern: Clemens Wenger, Mitglied der Band 5/8erl in Ehr’n, hat für den Kinderchor des Landestheaters Lieder komponiert. (jole)