Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 24.01.2019


Bühne

Eifriges Proben für blutrünstiges Treiben

Innige Liebe und unbändiger Machtrausch: Lisa Hörtnagl und Markus Oberrauch sind als die Macbeths im neuen Stück des Kellertheaters schauspielerisch gefordert.

Schauen eigentlich ganz harmlos aus. Lisa Hörtnagl und Markus Oberrauch spielen zwei echte Böslinge: Herrn und Frau Macbeth.

© Foto TT / Rudy De MoorSchauen eigentlich ganz harmlos aus. Lisa Hörtnagl und Markus Oberrauch spielen zwei echte Böslinge: Herrn und Frau Macbeth.



Von Markus Schramek

Innsbruck – William Shakes­peare. Keinen Geringeren als den Meister des dramatischen Fachs hat sich das Innsbrucker Kellertheater zur Brust genommen. Die Tragödie „Macbeth“ hat morgen Freitag Premiere (20 Uhr).

Für die beiden sinistren Fädenzieher, Macbeth und seine Gemahlin Lady Macbeth, hat sich Regisseur Klaus Rohrmoser bekannte Bühnenakteure geangelt: Lisa Hörtnagl (aktuell auch im Landestheater im Einsatz, in Bernhard Aichners „Totenfrau“) und Markus Oberrauch. Letzterer blödelte sich zuletzt mit dem Feinripp-Ensemble und dessen Programm „R.I.P.“ über etliche Abende kabarettistisch durch das Treibhaus.

Eine tragende Rolle in einem Shakespeare-Klassiker sei jedenfalls ein Karriere-Highlight, betont das Gespann Hörtnagl/Oberrauch. Seit sechs Wochen probt das Team für den großen Auftritt.

Der gebürtige Südtiroler Oberrauch will zeigen, „dass ich auch klassische Rollen spielen kann“. Lisa Hörtnagl fasziniert an ihrem Part, dass Macbeths Frau es ist, die das böse Treiben erst so richtig in Gang bringt. Denn gemordet wird reichlich. Zuerst bringt Macbeth, angefeuert von seiner besseren Hälfte, den schottischen König ums Eck, ehe Macbeth auch selbst daran glauben muss.

Wie verändert Macht uns Menschen, was sind wir bereit, dafür zu tun? Das ist für Hörtnagl das Kernthema des Stücks und eine politische Frage gültig bis heute. Die Macbeths seien blutrünstige Emporkömmlinge, die einander aber auch mit tiefer Zuneigung begegnen. „Sie sind fast wie ein Körper“, beschreibt es Hörtnagl bildhaft.

Für das kleine, enge Kellertheater wurde die Vorlage eingedampft. Regisseur Rohrmoser bietet nur sechs Schauspieler auf, darunter des Weiteren Elmar Drexel und Helmuth A. Häusler. Der Text wurde aus mehreren Übersetzungen zusammengefügt und ist teils in Versform, teils in Prosa gehalten.

Probleme bereite diese Form des Vortrags aber nicht. „Lässt man sich auf diese Art von Sprache ein, eröffnet sich eine völlig neue Welt“, gerät Oberrauch ins Schwärmen.

Wunsch und Hoffnung ist es natürlich, dass es dem Publikum ähnlich ergeht.