Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 28.01.2019


Kellertheater

“Macbeth“: Bluttriefendes Gustostückerl tief drunten im Gewölb‘

„Macbeth“ im Kellertheater: Pfiffige Regie und ein lustvoll aufspielendes Ensemble können es mit Shakespeares großem Tragödienstoff aufnehmen.

Vom Blut des ermordeten Königs kann sich Macbeth (Markus Oberrauch) nicht reinwaschen. Lady Macbeth (Lisa Hörtnagl) spendet Trost.

© KelletheaterVom Blut des ermordeten Königs kann sich Macbeth (Markus Oberrauch) nicht reinwaschen. Lady Macbeth (Lisa Hörtnagl) spendet Trost.



Von Markus Schramek

Innsbruck – Hört, liebe Leut’, und lasst euch sagen: Im Gewölb’ unterm Adolf-Pichler-Platz hat sich ein gar packend Schauspiel zugetragen!

Als Augenzeuge von William Shakespeares bluttriefender Tragödie „Macbeth“ in der Version des Innsbrucker Kellertheaters kann man nicht anders, als, wenigstens ansatzweise, in Versform daherzufabulieren. Das theatralische Spektakel zeigt Wirkung, fasziniert und fesselt. Da ist dem kleinen Schauspielhaus ein Gustostückerl gelungen.

Regiealtmeister Klaus Rohrmoser macht vor, wie Theater im beengten Raum samt Mini-Bühne zum Ereignis wird: Kurze Soundeinspieler zum Szenenwechsel. Video­sequenzen als effektvolle Handlungsvorantreiber. Und Schauspieler, die mit den Zusehern fast auf Tuchfühlung gehen. So bekommt der werte Gast das dramatische Stück sprichwörtlich zu fassen.

Shakespeare hat sich anno 1606 auch eine Wahnsinns-Story einfallen lassen: Königsmord! Heerführer Macbeth befördert Duncan, den Regenten von Schottland, ins Jenseits, gleich mit zwei Dolchen, sicher ist sicher.

Doch wir wissen es längst: Unrecht gut gedeihet nicht! So sitzt der unrechtmäßige Neo-König Macbeth weder gut noch lange auf dem Thron. Schwupps ist auch seine Rübe ab. Der Rache in Person von Widersacher Macduff entkommt er nicht.

Ein Bühnenstoff auf Topniveau wie dieser braucht, um nicht bloß Text zu sein, ein patentes Ensemble. Und fürwahr: Im Schauspiel-Keller ist ein starkes Sextett zu Werke.

Vor Lisa Hörtnagl in ihrer Rolle als Lady Macbeth nehme sich die Männerwelt besser in Acht: Optisch eine Lady ganz und gar, mit Abendrobe, verführerisch, ist sie tatsächlich unnahbar, eiskalt und berechnend. Sie ist es, die ihren Gespons Macbeth zum Mord anstachelt. Das Wimmern des Herrn Gemahls nach getaner Tat kostet sie nur ein Achselzucken: „Was man nicht ändern kann, soll man nicht denken.“ So ist das also.

Markus Oberrauch, aus dem kabarettistischen Fach mit dem „Feinripp-Ensemble“ bekannt, ist als Macbeth im ernsten Rollenfundus gelandet und auch angekommen. Zwar unsicher und etwas holprig zu Beginn, manchmal unfreiwillig komisch, steigert sich Oberrauch zu einer sehenswerten Performance.

Der skrupelbehaftete Zauderer Macbeth mutiert zum kaltschnäuzigen Machtmenschen. Seinen Wegbegleiter Banqo lässt er von einem Auftragskiller aus dem Weg räumen. Der überreicht Macbeth den abgetrennten Schniedelwutz des gemeuchelten Freundes als Trophäe: „Jeder Beruf hat seinen Humor.“

Am besten sind Oberrauchs Monologe, das Gesicht blutverschmiert, die Krone rostig, der Blick leer. Er sieht sein Ende kommen und hält sich dennoch für unbesiegbar.

Große Lust aufs Schauspielen strahlt auch der Rest der Truppe aus, allesamt in mehreren Rollen. Elmar Drexel sorgt als besoffener Pförtner für Erheiterung, während er König Duncan eher als Karikatur eines Monarchen anlegt: unterwürfig, kriecherisch, wenig erhaben.

Helmuth A. Häusler behält in der Figur des Banqo als einer von wenigen so etwas wie moralische Integrität. Herrlich böse und hinterlistig treiben die Hexen (Elmar Drexel sowie Tamara Burghart und Lucas Zolgar) ihr Unwesen.

Es ist ein atmosphärisch und schauspielerisch ungemein dichter Abend. Keine Schonkost, sondern ein nahrhaftes Theatermenü. Viele hochverdiente Bravos am Ende der Premiere.