Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 26.01.2019


Bühne

Konstellationen: Eine Liebe in der Möglichkeitsform

Nick Paynes Stück „Konstellationen“ ist eine metaphysische Romanze. Sie spielt mit der in der Stringtheorie diskutierten Möglichkeit unendlich vieler Multiversen.

Beziehungsspiele von provisorischer Stabilität: Elena-Maria Knapp (vorne) und Therese Hofmann in „Konstellationen“

© Theater praesentBeziehungsspiele von provisorischer Stabilität: Elena-Maria Knapp (vorne) und Therese Hofmann in „Konstellationen“



Innsbruck – Eine Kosmologin und eine Imkerin kommen sich näher. Oder nicht. Sie ziehen zusammen. Oder nicht. Liebkosen sich. Oder sie streiten. Die Kosmologin erkrankt. Schwer. Oder nicht. Vielleicht sucht sie begleitetes Sterben im Ausland. Vielleicht steht ihr die Imkerin bei. Vielleicht aber ist die bereits mit einer anderen liiert. Oder sie ist gerade auf dem Weg dazu. Wobei, gerade ist der Weg sicher nicht. Egal, in welchem Universum er nun gegangen wird.

Nick Paynes Stück „Konstellationen“ ist eine metaphysische Romanze. Sie spielt mit der in der Stringtheorie diskutierten Möglichkeit unendlich vieler Multiversen, die – sehr vereinfacht gesagt – denkbar macht, dass jede Entscheidung in einem parallelen Universum andere Folgen zeitigt. So gesehen ist „Konstellationen“ ein Stück über die unzähligen Spielarten der Liebe, über deren Möglich- und Unmöglichkeiten: Einmal endet eine Situation mit einer Pointe, das nächste Mal löst sie sich in einer Katastrophe auf.

Am Donnerstagabend kam Fabian Kametz’ durchwegs stimmige Inszenierung des 2012 uraufgeführten Stücks im Innsbrucker Theater praesen­t zur Premiere. Elena-Maria Knapp – als Imkerin – und Therese Hofmann – als Kosmologin – überzeugen als mal vertrautes, dann routiniertes, manchmal hoffnungslos zerstrittenes Pärchen. Ausstatterin Katharina Ganners hat eine auch dramaturgisch geschickt genutzte Schaukelkonstruktion in den praesent-Schlurf gehängt, in der sich die immer nur provisorische Stabilität der einzelnen Konstellationen spiegelt. Die steuern letztlich auf einen ernüchternden Endpunkt zu. Oder eben nicht: starker Schlussapplaus. (jole)