Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 01.02.2019


Bühne

„Deppat is das neue Gscheit“

Bei Florian Scheubas Programm „Folgen Sie mir auffällig“ fällt das Folgen nicht immer leicht.

Florian Scheuba zeigte bei seinem einzigen Tirol-Termin immerhin vollen Körpereinsatz.

© Thomas Boehm / TTFlorian Scheuba zeigte bei seinem einzigen Tirol-Termin immerhin vollen Körpereinsatz.



Von Barbara Unterthurner

Innsbruck – Nicht nur eine schlechte Nachricht, auch gutes Kabarett sollte als Sandwich übermittelt werden. Zuerst die positive Aussage, dann die negative, gefolgt vom positiven Abschluss. Damit wird der Schock gemindert und übrig bleibt ein gutes Gefühl.

Eine ähnliche Strategie verfolgte auch Kabarettist Florian Scheuba, der mit seinem (nicht mehr ganz so) neuen Soloprogramm „Folgen Sie mir auffällig!“ am Mittwoch Tirolpremiere feierte. Für den Kabarettisten selbst war es allerdings keine Premiere in Tirol für 2019, besuchte er vor zwei Wochen doch schon einmal mit seinen Kollegen der „Staatskünstler“, Thomas Maurer und Robert Palfrader, das Treibhaus. Das beim Auftritt des Trios übrigens sehr gut gefüllt war. Für das Soloprogramm von Scheuba waren die Reihen schon etwas lichter. Vielleicht weil Scheuba als der ernsteste von den drei Staatskünstler- Witzbolden wahrgenommen wird.

Übertriebene Ernsthaftigkeit legt Scheuba auf der Bühne allerdings nicht an den Tag. Auch distanziert ist er nicht, nimmt er doch gleich zu Beginn sein Publikum genau unter die Lupe; und stellt fest: Hier sitzen echte Menschen. Keine Fake-Accounts oder Bots. Und schon ist er mittendrin in seinem Programm rund um alternative Wahrheiten, die Auswüchse von Political Correctness oder den Föderalismus.

Scheubas Solo ist erzählte Realsatire im engsten Wortsinn: Der politische Alltag liefert Scheuba Steilvorlagen. Äußerst dicht gestrickt sind die kabarettistischen Monologe, sodass der Zuhörer auch genau hinhören muss, um die verwobene Geschichte um Verstrickungen etwa des Innenministers nachzuvollziehen. Die Inhaltsdichte kommt wohl vor allem daher, dass Scheuba viel Stoff bereits in seinen Standard-Kolumnen (inzwischen auch in Buchform erhältlich) verschriftlicht hatte. Die Texte wiederum ins Mündliche zu übertragen, gelingt nicht immer nachvollziehbar. Aber trotzdem: Mit dem richtigen Hintergrundwissen funktionieren die großen Gags. Auf- gelockert werden allzu trockene Passagen mit zugänglicheren. So etwa mit Unterschie- den zwischen den Bundesländern: Wer welche Wörter am öftesten im Online-Duden nachschlagen muss, sorgt für große Lacher. In Tirol sei es übrigens „die anderen“, während der Salzburger noch nach dem Nicht-Wort „jediglich“ sucht.

Äußerst zäh ist aber der zweite Teil, beim „effektiven Altruismus“ sind die meisten ausgestiegen. Und das trotz perfektem Vortrag. Der Einstieg erfolgt erst wieder über weichere Themen. Die Faszination rund um den „gebenden Blick“ von Wunderheiler Braco bringt Scheuba auf die Kernfrage zurück: Was passiert, wenn Menschen Hypes blind folgen? „Deppat is das neue Gscheit“ wird Devise.

Ganz am Schluss wird Scheuba selbst zu Braco, sein „blickender Blick“ vermittelt das eingangs angesprochene gute Gefühl. Dass das Programm in der Mitte auch ganz schön zäh war, ist schon vergessen.