Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 04.02.2019


Innsbruck

„Una Noche Elegante“: Eleganz, leicht wie eine Feder

Die Tanz-Trilogie „Una Noche Elegante“ wird bei ihrer Premiere am Landestheater minutenlang beklatscht. Das Ensemble muss bis an seine Grenzen gehen.

Szene aus der Choreografie „Un Ballo“. Mit diesem Werk des Tschechen Jirˇi Kylián eröffnet die Tanzcompany ihre neue Produktion. <span class="TT11_Fotohinweis">Foto: TLT/Larl</span>

© Szene aus der Choreografie „Un Ballo“. Mit diesem Werk des Tschechen Jirˇi Kylián eröffnet die Tanzcompany ihre neue Produktion. Foto: TLT/Larl



Von Markus Schramek

Innsbruck – The same procedure as every year.

Sie tut es schon wieder: Die Tanzcompany des Tiroler Landestheaters wickelt ihr Publikum um den Finger, mit Leichtigkeit, wie es scheint. Die Gäste im nahezu ausverkauften Großen Haus haben es mit dem Heimgehen gar nicht eilig. Das Saallicht ist an, der Schlussvorhang längst gefallen. Trotzdem wird munter weitergeklatscht, bis die ausgepowerte Tänzerriege zur Verbeugung doch noch einmal zum Vorschein kommt. Das neue Stück „Una Noche Elegante“ endet bei der Premiere am Samstag wie viele Produktionen der letzten Jahre: mit herzhaftem Zuspruch von den Rängen. The same procedure ganz und gar.

Große Tänzer sind die wenigsten von uns, die wir in den Polstersitzen des Theaters Platz genommen haben. Dennoch findet auch das Greenhorn rasch Zugang in die kunstvoll-anmutige Welt des Balletts. Wunderbare Musik geleitet ästhetische Bewegungen, charmant und in den besten Phasen federleicht. Ein emotionaler Eisblock, wen eine solche Symbiose kaltlässt.

Es gleicht einer Verschwendung von Hirnschmalz, darüber zu sinnieren, was uns die Schöpfer solcher Werke sagen wollen. „Es ist ein Tanz zur Musik, mehr nicht“, formuliert es der tschechische Choreograf Jirˇi Kylián lakonisch. Sein Beitrag „Un Ballo“ zur Musik von Ravel bringt die „Noche Elegante“ unter einem Nachthimmel aus Kerzenlicht stimmungsvoll in Gang. Die eigene Fantasie erzählt doch die schönsten Geschichten. Nahrung dafür bietet dieser Abend reichlich.

Einen Handlungsstrang wie zuletzt bei „Frida Kahlo – Nueva Pasión“ gibt es diesmal nicht. Drei Choreografien von internationalem Renommee wurden zugekauft, Bühnenbild und Kostüme inklusive.

Zwei Gastchoreografen weilen persönlich in Innsbruck, um der Tanzcompany zur Seite zu stehen. Roser Muñoz hat sich um „Oktett“ gekümmert, ein 1987 uraufgeführtes Stück des 2004 jung verstorbenen Deutschen Uwe Scholz. Nacho Duato, wie Muñoz aus Spanien stammend, ist überraschend aufgetaucht, um seinem Werk „Por Vos Muero“ den Feinschliff zu geben.

Die Musik steht deutlich mehr im Mittelpunkt als sonst. Schade, dass die akustische Untermalung vom Band kommt und nicht live von konzertanten Begleitern. Große Werke des klassischen Katalogs wie Mendelssohn Bartholdys „Oktett“ in Es-Dur op. 20 für acht Streicher werden in getanzte Noten verwandelt. Auftritte und Abgänge erfolgen im Takt, ein „piano“ auf dem Notenblatt verlangt tänzerische Zurückhaltung, ein „forte“ dagegen resolutes Vorpreschen.

Das Ensemble agiert mit gewohnt großem Einsatz, ja fast schon übereifrig. Große Namen im Programm flößen doch gehörig Respekt ein.

Die Schwierigkeiten dieser Tanz-Trilogie sind auch nicht zu unterschätzen. So kommt es vor, dass ein Paar der Musik hinterhertänzelt. Oder dass sich ein (kräftemäßig gefordertes) Mannsbild einen Wackler leistet und für Momente auf der Bühne so verloren wirkt, als sei er bestellt, doch von der Partnerin nicht abgeholt worden.

Aber Schwamm drüber. Zeit, um Unsicherheiten auszumerzen, bleibt viel. Bis Ende Juni wird „Una Noche Elegante“ noch getanzt.

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