Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 27.02.2019


Festspiele Erl

Gustav Kuhns Doktorarbeit wird erneut geprüft

Gustav Kuhns Doktorarbeit weist handwerkliche Mängel auf.

© TT/Rudy De MoorGustav Kuhns Doktorarbeit weist handwerkliche Mängel auf.



Nachdem ein Gutachten des Plagiats-Experten Stefan Weber weitere fragwürdige Passagen in Gustav Kuhns Dissertation „Wert und Sinn im musikalischen Kunstwerk" zu Tage gefördert hat, wird die Universität Salzburg die Arbeit erneut prüfen. Das bestätigte eine Sprecherin der Universität gestern auf Nachfrage der TT. Die Doktorarbeit des späteren Gründers und langjährigen Leiters der Tiroler Festspiele Erl war bereits im Sommer letzten Jahres von einer „Kommission für die Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis" untersucht worden. Diese hatte Kuhn vom Vorwurf des Plagiats entlastet. Die 1969 eingereichte Arbeit weise zwar neben handwerklichen Fehlern durchaus auch plagiierte Textpassagen auf, hieß es damals. Eine „absichtliche Täuschung" ließe sich allerdings nicht nachweisen

. Explizit angesprochen wurde das fünfte Kapitel von Kuhns Arbeit. Darin entwickelt er seine eigene Theorie. Dort seien keine Plagiate identifiziert worden. Plagiats-­Sachverständiger Stefan Weber hat nun auch besagtes Kapitel genauer untersucht — und will auch dort nicht ausgewiesene Zitate ausgemacht haben, die TT berichtete. Daher habe sich das Rektorat der Universität entschlossen, Kuhns Doktorarbeit ein weiteres Mal zu untersuchen, erklärt Universitäts-Sprecherin Gabriele Pfeifer gestern. Der Dirigent Gustav Kuhn gründete Ende der 1990er-Jahre die Tiroler Festspiele Erl. Mehrere ehemals bei den Festspielen engagierte Künstlerinnen werfen dem 72-Jährigen Machtmissbrauch und sexuelle Übergriffe vor. Es gilt die Unschuldsvermutung. Im Oktober 2018 legte Kuhn alle Funktionen in Erl mit sofortiger Wirkung zurück (jole)




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