Letztes Update am Do, 07.03.2019 16:37

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Schweiz

„Wüstenblume“-Schicksal wird Musical in St. Gallen

Die berührende Geschichte des Topmodels, das in seiner Kindheit in Somalia beschnitten wurde und vor einer Zwangsheirat floh, kommt nächstes Jahr auf die Bühne.

Waris Dirie.

© Sarah Lee/Eyevine /picturedeskWaris Dirie.



St. Gallen/Wien – Die Geschichte des somalischen Nomadenmädchens, das als Fünfjährige beschnitten wurde, als 13-Jährige vor der Zwangsheirat mit einem alten Mann floh und später zum Topmodel wurde, berührte auf der ganzen Welt. Das Theater St. Gallen macht die Lebensgeschichte von Waris Dirie nun zu einem Musical, das am 22. Februar 2020 uraufgeführt wird.

Waris Dirie selbst war es, die seit längerer Zeit auf der Suche nach einem Musicalproduzenten gewesen sei, gab Werner Signer, Direktor des Theaters St. Gallen, am Donnerstag vor den Medien bekannt. Die ehemalige UNO-Sonderbotschafterin, die seit 2005 Österreicherin ist, kämpft mit der von ihr gegründeten Organisation Desert Flower Foundation gegen die Genitalverstümmelung von Mädchen und jungen Frauen (englisch: female genital mutilation, FGM). Das Musical wolle die Botschaft auf eine breitere Basis stellen und insbesondere jüngere Menschen erreichen, sagte Signer.

Die gesellschaftspolitische Geschichte sei ein ungewöhnlicher Stoff für ein Musical, sagte Operndirektor Peter Heilke. Ein Musical sei aber nicht bloß nette Unterhaltung, sondern absolutes Theater und große Oper zugleich. Die Geschichte über die dramatische Flucht durch die Wüste, den Triumph als Model, das Leben im London der 1980er-Jahre schreie danach, so vielschichtig erzählt zu werden wie es nur ein Musical könne.

Zwei Szenen aus dem Musical, dessen Cast im Herbst bekannt gegeben wird, spielten eine Sängerin und die Musicalmacher Uwe Fahrenkrog-Petersen (Musik) und Frank Ramond (Songtexte) vor. Der Song „Ein Tag in Afrika“ beschreibt die erstmalige Rückkehr des Top-Models in die afrikanische Wüste im Jahr 1996.

Waris Dirie hörte gespannt zu und klatschte begeistert in die Hände. Sie leide unter ihrem brutalen Schicksal und spreche eigentlich nicht gerne über sich, verriet sie später der Keystone-SDA: „Ich kann nicht vergessen, was mir angetan wurde. Aber ich lebe noch“, sagte Dirie. (APA/sda)