Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 13.03.2019


Theater

York gegen Lancaster: Kann das auch lustig sein?

Kabarettist Michael Niavarani hat aus Shakespeares Tragödie „Richard III.“ eine Komödie gemacht. Gelacht werden darf ab Samstag.

An der Farbe ihrer Socken sollt ihr sie erkennen. Mitglieder des Hauses York (links, helle Socken) liefern sich mit ihren Kontrahenten aus dem Adelsgeschlecht des Hauses Lancaster (rechts, rote Socken) ein Match um die Macht auf Gedeih und Verderb.

© Tiroler Landestheater/LarlAn der Farbe ihrer Socken sollt ihr sie erkennen. Mitglieder des Hauses York (links, helle Socken) liefern sich mit ihren Kontrahenten aus dem Adelsgeschlecht des Hauses Lancaster (rechts, rote Socken) ein Match um die Macht auf Gedeih und Verderb.



Von Markus Schramek

Innsbruck – Man könnte einen ausgedruckten Stammbaum mit ins Theater nehmen. So ließen sich die Irrungen und Wirrungen der englischen Thronfolge im 15. Jahrhundert wenigstens schematisch nachvollziehen. Damals kämpfte jeder gegen jeden um die Macht. Das Match Adelshaus Lancaster gegen Adelshaus York war Brutalität im Stile eines Lokalderbys. Die Bezeichnung „Rosenkriege“ ist für diesen Konflikt jedenfalls eine Behübschung.

William Shakespeare hat 100 Jahre später die Rosenkriege aufgegriffen. Intrigen, Gemetzel und Machenschaften boten sich als Bühnenstoff geradezu an. Richard III., dem letzten König aus der Linie des Hauses York, widmete Shakespeare eine Tragödie.

Richard war ehrgeizig. Doch in der Erbfolge rangierte er unter ferner liefen. Die lästige Konkurrenz musste aus dem Weg geräumt werden, damit der Weg auf den Thron frei war. Lange konnte sich aber auch Richard III. nicht halten. Nach zwei Jährchen als König segnete er in einer weiteren Schlacht das Zeitliche. Nachfolger wurde Heinrich VII. aus dem Hause Tudor. Die Ära der Yorks und Lancasters war vorbei. Wenn sich zwei streiten, freut sich eben der Dritte.

„Die Leute haben sich gedacht, dass der blade Perser schon lustig sein wird“, nimmt sich Michael Niavarani selbst auf die Schaufel.
„Die Leute haben sich gedacht, dass der blade Perser schon lustig sein wird“, nimmt sich Michael Niavarani selbst auf die Schaufel.
- imago/K.Piles

Rudimentäres historisches Wissen wie dieses ist aber kein Muss, wenn man sich ab Samstag „Die unglaubliche Tragödie von Richard III.“ im Tiroler Landestheater ansehen will. Gut unterhalten kann man sich wohl auch so. Schließlich handelt es sich um eine Komödienfassung des an sich dunkelgrauen Stoffes. Kabarettist und Schauspieler Michael Niavarani hat die Shakespeare-Vorlage mit allen Freiheiten umgearbeitet. Im Zentrum stehen bei ihm ein Koch und ein Schuster, die als Handlanger Richards eher zufällig in den Konflikt hineintappen.

Aufwand scheute Niavarani keinen. Er ließ 2014 eigens das Globe in Wien bauen, ein Veranstaltungshaus in Anlehnung an das berühmte Globe Theatre in London zur Zeit Shakespeares. Das Globe Wien ist im Gefolge einer ominösen „Geisterbeschwörung“ zweier junger Eindringlinge 2017 abgebrannt, inzwischen neuerstanden und seit Ende 2018 wieder in Betrieb.

Auf öffentliche Zuschüsse verzichtet Niavarani aus Gründen der Unabhängigkeit, wie er bei der sonntäglichen Matinée – vor 800 (!) Gästen – im Tiroler Landestheater erzählte. „Das Publikum ist meine Subvention.“ Tausende Tickets seien schon vor Fertigstellung seiner Wiener Spielstätte verkauft gewesen. Denn: „Die Leute haben sich gedacht, dass der blade Perser schon lustig sein wird.“ Witze über seinen gewachsenen Leibesumfang gehören zum Standardrepertoire Niavaranis, dessen Vater aus dem Iran stammt.

Als Shakespeare-Fan ist Nia­varani spätberufen. „Macbeth“ war seine Einstiegsdroge. Vor seiner „Bekehrung“ hin zum Bühnenstoff des elisabethanischen Englands machte er um „ernste Sachen“ auf der Bühne lieber einen Bogen.

In Wien wirkte der Stückverfasser in seiner Version von „Richard III.“ selbst mit. In Innsbruck ist er nur Zuseher bei der Premiere am kommenden Samstag: „Ganz hinten, damit niemand sieht, wie ich dreinschaue.“ In die Proben mischt er sich nicht ein.

Regie führt Susi Weber. Die Kostüme stammen von Isabel Graf. Sie hat Anleihe beim Fußball genommen. An der Farbe der Socken sind die beiden Streitparteien zu unterscheiden: hellweiß für York, rot für Lancaster.