Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 19.04.2019


Bühne

Die Klagen des Propheten

Bewegende Klänge: Nicolas Achten und Scherzi Musicali mit Lamentationen beim Osterfestival Tirol im Salzlager Hall.

icolas Achten begleitete sich selbst mit der Laute.

© Victor Malyshevicolas Achten begleitete sich selbst mit der Laute.



Von Ursula Strohal

Hall – 22 Motetten, drei Messen, neun Lektionen der Finsternis zur Karwoche und ein Sammelband für Cembalo sind von Joseph-Hector ­Fiocco überliefert. Der herausragende belgische Musiker Nicolas Achten, am Mittwoch erneut beim Osterfestival Tirol zu Gast, macht den Komponisten außerhalb seiner Heimat bekannt.

Ins Salzlager brachte er mit seinen Scherzi Musicali drei Lamentationen zum Gründonnerstag und eine zum Karfreitag mit, als ins­trumentale Zwischenstücke kurze Sonaten von Willem de Fesch, Fioccos Vorgänger als Kapellmeister der Kathedrale von Antwerpen. Es sind in ihrer natürlich wirkenden Kunstfertigkeit bewegende Klänge auf die ergreifenden Klagen des Propheten Jeremias, jede endend mit „Jerusalem, bekehre dich zu dem Herrn, deinem Gott!“.

„In einem etwas seltsamen Zusammenhang lässt Fiocco die französische und italienische Ästhetik sowohl auf harmonischer als auch auf melodischer Ebene zusammenschmelzen“, konstatiert Achten und fühlt sich von manchen Passagen „erinnert an Vivaldi, Pergolesi oder Couperin“. Da scheinen also Vivaldis Virtuosität, Pergolesis Melodienseligkeit und Couperins Feinsinn durch, aber diese Art spiritueller Sinnlichkeit ist Fioccos Eigen.

Aleph, Beth, Ghmel, Heth, Teth, Jod, Caph: In den Gründonnerstag-Lamentationen steht jedem der lateinisch gesungenen Verse, die rezitativisch, arios und im Charakter voneinander abgesetzt sind, der jeweilige Anfangsbuchstabe des hebräischen Alphabets voran.

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Das Ensemble Scherzi Musicali besteht aus wunderbaren Musikern, die hier an zwei Violoncelli, Orgel, Cembalo und Lauteninstrumenten fabelhaft zusammenwirkten, an der Spitze Nicolas Achten, der sich traditionell als Sänger selbst begleitet.

Der mitunter schon klirrend kristalline Sopran von Wei-Lian Huang hatte als Gegenstück Laure Delcampes klangvolle Sopranwärme.