Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 23.04.2019


Innsbruck

„Pool (no wate­r)“: Ausweglose Sucht nach Anerkennung

Sensationsgeil aus Leidenschaft: Therese Hofmann, Margot Mayrhofer und Stephan Lewetz (von links) in „pool (no water)“.

© Daniel JaroschSensationsgeil aus Leidenschaft: Therese Hofmann, Margot Mayrhofer und Stephan Lewetz (von links) in „pool (no water)“.



1972. Künstler David Hockney porträtiert zwei Figuren am Pool und erschafft damit das aktuell teuerste Gemälde eines lebenden Künstlers. Im Gegensatz zu dieser Erfolgsstory wird der Pool als ultimatives Statussymbol der Erfolgreichen bei „pool (no wate­r)", dem aktuelle­n Stück im Innsbrucker Theater Praesen­t, der zentralen Figur zum Verhängnis. Anders als bei Hockne­y fehlt dem Pool das Essenzielle, das Liquide, kurzum: das Wasser. Und das hat Folgen: Das einzige einigermaßen erfolgreiche Mitglied eines nicht mehr ganz so hippen Künstlerkollektivs (gespielt von Theres­e Hofmann, Stephan Lewetz und Margot Mayrhofer) wird beim Sprung ins kalte Nichts schwer verletzt. Mitleid? Fehlanzeige! Neid und die Sucht nach Anerkennung ließ aus der einst echten Freundschaft ein künstliches Nebeneinander werden. Und das wird im Stück des britischen Dramatikers Mark Ravenhill in drastische Worte gepackt. Er führt vor, was die drei im Prekariat gefangene Künstler antreibt: Es geht um Eitelkeit und die Sucht nach Anerkennung. „In-yer-face" wird diese Art des Theatermachens genannt: direkt, unverblümt, schonungslos und (absichtsvoll) schockierend. In „pool (no water)" gipfelt die Abrechnung mit pseudo-kunstbeflissenen Berechnungen, im Versuch, den versehrten Körper der Ex-Kollegin auf dem Kunstmarkt auszuschlachten.

Regisseurin Michaela Senn greift mit „pool (no water)" nach einem Stoff, der auch 15 Jahre nach seiner Entstehung ungebrochen relevant ist. Die szenische Umsetzung wird vom großartigen Ensemble getragen: Hofmann, Lewetz und Mayrhofer entwickeln als vom Neid zerfressene Selbstdarsteller ungemein tragische Komik. Visuell effektvoll sind die Verweise auf die jüngere Kunstgeschichte, etwa auf Blutvergießen à la Hermann Nitsch. Auch Populärkulturelles klingt an: „Twisted Nerve" wird angepfiffen, „Zebulon" der Einstürzenden Neubauten wabert. „pool (no water)" ist unbarmherziges Theater: eine bitterböse Empfehlung. (bunt)