Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 21.05.2019


Demokratie

Kein Redebedarf am Landhausplatz

Aus drei Wochen wurden drei Tage: Thomas Medicus’ Intervention „Best Before“ muss heute umziehen.

Ein Kunstwerk als Relikt: Thomas Medicus’ „Best before“ ist bis 24. Juni nahe der Georgskapelle zu finden.<span class="TT11_Fotohinweis">Foto: Medicus</span>

© Ein Kunstwerk als Relikt: Thomas Medicus’ „Best before“ ist bis 24. Juni nahe der Georgskapelle zu finden.Foto: Medicus



Innsbruck – Was passiert, wenn wir uns an Demokratie bald nur noch als eine ferne Errungenschaft erinnern? Wenn Demokratie Relikt wird? Diesen Fragen geht die Arbeit „Best Before“ des Tiroler Künstlers Thomas Medicus derzeit nach. In Form eines Redepults, eines partizipativen „speakers’ corner“, will der Künstler die Diskussion wieder zur öffentlichen Sache machen, das physische Objekt des Pultes von politischen Eliten zurück in den öffentlichen Raum holen. Von der Liegenschaftsabteilung des Landes Tirol bekam das Werk, trotz Förderungsbewilligung der Kulturabteilung, nun quasi einen Maulkorb verpasst.

Aber der Reihe nach: Medicus’ „Best Before“ wurde von der Jury des „TKI open 19“-Fördertopfs vom Land Tirol als förderungswürdig befunden. Es fügte sich ein in „res publica“, das Ausschreibungsthema der Tiroler Kulturinitiativen (TKI), bei dem Aspekte von Gemeinwesen wieder ins Bewusstsein gerückt werden sollten. Und Medicus’ Rednerpult geht sogar darüber hinaus: Die verschlissene Optik und das gläserne Schild stellen das Symbol der Demokratie, das Rednerpult als Relikt dar und entwerfen damit postdemokratische Dystopie- Zeiten, die Redefreiheit bereits überlebt hatten.

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- Foto TT / Rudy De Moor

Eine Positionierung auf dem Eduard-Wallnöfer-Platz vor dem Landhaus war für den Künstler ein perfekter Kontext und wurde so auch in der Projekteinreichung mitbedacht. Auf Nachfrage bestätigte dies Kulturabteilungsleiter Thomas Juen. Dass die Arbeit nach nur drei Tagen auf dem Landhausplatz heute in den Innenhof vor der Georgskapelle umziehen muss, damit habe die Kulturabteilung nichts zu tun. Das Justiziariat, verantwortlich für Landhaus und Landhausplatz, habe hier das letzte Wort. Als Grund für die begrenzte Ausstellungsdauer am zentralen Platz gibt die zuständige Abteilung Sicherheitsbedenken an und verweist auf die vielfältige Nutzung des Ortes. Wie genau die Sicherheit gefährdet wird, geht aber nicht hervor.

Schon öfter gab es ähnliche Vorkommnisse, Projekte für den speziellen Kontext Landhausplatz wurden vom Justiziariat nicht genehmigt. Erst vergangenes Jahr stand etwa Franz Wassermanns „Offizialdelikt Kreide“ zur Debatte, eine Arbeit an der Fassade des Landhauses – eine finale Entscheidung steht hier nach wie vor aus. Auch für Medicus sind die behördlichen Vorgänge weitestgehend undurchsichtig geblieben. „Leider wurde meine Arbeit für den öffentlichen Raum nun aus diesem verbannt“, meint er. Sein Werk, das von der zufälligen Entdeckung lebt, muss nun bewusst aufgesucht werden. (bunt)