Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 23.05.2019


Bühne

“Stummer Schrei“: Bodenständige Blicke ins Jetzt

Mit Felix Mitterers „Besuchszeit“ und einem musikalischen „Raffl“ von Thomas Gassner feiert das Festival Stummer Schrei seinen 15. Geburtstag.

In Neuseeland ein Star, hierzulande ein Geheimtipp: Jackie Bristow tritt am 12. Juli beim Festival Stummer Schrei im Zillertal auf.

© Jackie BristowIn Neuseeland ein Star, hierzulande ein Geheimtipp: Jackie Bristow tritt am 12. Juli beim Festival Stummer Schrei im Zillertal auf.



Innsbruck – 2003 wurde die Idee eines sommerlichen Kulturfestivals in Stumm im Zillertal geboren. 2004, vor mittlerweile 15 Jahren also, fand der Stumme Schrei erstmals statt. Gestern präsentierten Christoph Crepaz, seit 2016 Künstlerischer Leiter des Festivals, und die Leading-Teams der beiden Hauptproduktionen des Jubiläumsjahrganges das Programm der heurigen Spielzeit.

Eröffnet wird der Stumme Schrei 2019 am 21. Juni mit der Premiere von Felix Mitterer­s Satire „Besuchszeit“. Regisseur Hanspeter Horner und die Schauspielerinnen Anita Köchl und Dorisch Kirschhofer haben das Stück bereits 2017 neu erarbeitet – und damit nicht zuletzt Felix Mittere­r selbst überzeugt. Diese „Besuchszeit“ sei die schönste Umsetzung seines 1985 entstandenen Stückes, lässt der Autor ausrichten. In Stumm steht „Besuchszeit“ – mal bittere, mal beißende Satire über Allzumenschliches in Ausnahmesituationen – bis zum 19. Juli auf dem Spielplan.

Die Eigenproduktion des Festivals, eine zum Musiktheater weitergedachte Neubearbeitung von Thomas Gassners Volksstück „Raffl“, hat am 4. Juli im Festivalstadl Dorfbäck Premiere. Ein von Schönherrs „Judas von Tirol“ inspirierter „Alpin-Woyzeck“ mit klassenkämpferischer Note soll die von Regisseur Konrad Hochgruber verantwortete Produktion werden, sagt Autor Gassner. Und: „Der Versuch, den von fragwürdigen Kräften instrumentalisierten Begriff Heimat zu rehabilitieren.“ Die „bodenständige und doch zeitgemäße Musik“ dafür hat Oswald Pardeller komponiert. Solisten der Bundesmusikkapelle Stumm wagen den, so Kapellmeister Stefan Mühlegger, „aufregenden Blick über den Tellerrand“. Als Kinderstück ist ab 25. Juni Sophie Reyers „Paul Felz – Kuschelmonster“ angesetzt. Umrahmt wird das Programm von Konzerten: Am 12. Juli etwa gastiert die neuseeländische Folk-Entdeckung Jackie Bristow in Stumm und zwei Tage später präsentieren Die Knödel ihr neues Album „Still“. Am 2. August tritt die bayerische Kuba-Kombo Los Dos Y Compañero­s auf.

Das Festival Stummer Schrei hat ein Gesamtbudget von 206.000 Euro – rund 25 Prozent davon stammt von der öffentliche­n Hand. (jole)