Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 08.06.2019


Bühne

Die Bühne als Labor des Digitalen

Kay Voges, derzeit Intendant in Dortmund, übernimmt in der Saison 2020/21 das Wiener Volkstheater.

Ab 2020 wird Kay Voges im Volkstheater die Richtung vorgeben. Seine erste Saison dürfte aber umbaubedingt erst im Jänner 2021 starten.

© APAAb 2020 wird Kay Voges im Volkstheater die Richtung vorgeben. Seine erste Saison dürfte aber umbaubedingt erst im Jänner 2021 starten.



Wien – Theater heute porträtierte Kay Voges im Vorjahr als „digitalen Zauberlehrling“. Und tatsächlich gilt der 47-Jährige als vehementer Verfechter neuer Technologien auf der Bühne. 2010 wurde er Intendant des Schauspiels Dortmund. Seine durchaus angriffigen Arbeiten – zuletzt etwa Thomas Bernhards „Theatermacher“ als Musical – fanden schnell überregionale Beachtung. Auch deshalb galt Kay Voges eine Zeit lang als möglicher Nachfolger von Frank Castorf an der Berliner Volksbühne.

Geworden ist es jetzt das Volkstheater in Wien. Gestern wurde Kay Voges von Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) als designierter Volkstheater-Chef präsentiert. Er wird sein Amt mit der Saison 2020/21 antreten. Die dürfte aber erst 2021 wirklich beginnen, davor wird das Haus am Schnitzler-Platz umgebaut.

Programmatisch hielt sich der designierte Direktor gestern bedeckt. „Niederschwelliges Theater“ will er machen – und eine „Factory für Theaterkunst in ästhetischer und politischer Auseinandersetzung mit der Gegenwart“ etablieren. Das Ensemble des Hauses soll vergrößert, das Repertoire erweitert werden: „Performance und Musik werden eine wichtige Rolle spielen“, so Voges. Die Ausstattung des Hauses sei dafür allerdings „noch nicht auf der Höhe“. Über Geld müsse noch geredet werden. Die Stadt Wien sichert kürzlich zu, die Jahresförderung von 14,2 Millionen Euro um zwei Millionen zu erhöhen. Der Bund ziert sich noch. „Erstkontakt“ mit dem derzeit für Kultur zuständigen Außenminister Alexander Schallenberg gab es noch keinen. Diesen werde er aber genauso suchen wie den zum Publikum, sagte Voges, dem „Schauspieltheater für die digitale Moderne“ vorschwebt.

Mit der Voges-Berufung zeichnet sich am Volkstheater eine mancherorts wohl unerwartete Kontinuität ab. Auch Noch-Direktorin Anna Badora setzte zuletzt auf durchdigitalisierte Leuchtturmprojekte, etwa die Virtual-Reality-Show „The Art of immersive Storytelling“. Darauf kann ihr Nachfolger, der 2018 mit „Parallelwelten“ eine via Glasfaser koordinierte Simultaninszenierung in Dortmund und am Berliner Ensemble stemmte, aufbauen. Durch solche Projekte machte Kay Voges das Schauspiel Dortmund binnen eines Jahrzehntes zum Theaterlabor sondergleichen. Seine Experimentierfreude wurde aber auch kritisiert. Während das Feuilleton Wagemutiges beklatschte, unterhielten sich Theatergänger bisweilen anderswo. Ein Problem, das man auch am Volkstheater kennt.

Kay Voges Wien-Debüt ist allerdings nicht an seiner künftigen Wirkungsstätte angesetzt: Bereits im Dezember inszeniert er „Dies irae“ am Burgtheater – und wird dabei mit dem Komponisten Paul Wallfisch zusammenarbeiten. Auch der wechselt im Herbst 2020 fix nach Wien. Voges macht ihn zum ersten Musikalischen Leiter in der Geschichte des Volkstheaters. (jole)


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