Letztes Update am Mi, 12.06.2019 07:13

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


TT-Interview

Schauen, weiterträumen, fühlen, weiterdenken

Der Innsbrucker Bühnenbildner Heinz Hauser vor der Premiere der Neuinszenierung von Mozarts „Don Giovanni“ im Tiroler Landestheater.

Am Samstag feiert „Don Giovanni“ Premiere am Tiroler Landestheater. 2020 wird Heinz Hauser dort Verdis „Rigoletto“ gestalten.

© Foto TT/Rudy De MoorAm Samstag feiert „Don Giovanni“ Premiere am Tiroler Landestheater. 2020 wird Heinz Hauser dort Verdis „Rigoletto“ gestalten.



Von Ursula Strohal

Innsbruck – Heinz Hauser, in Innsbruck geboren, hat am Tiroler Landestheater zuletzt die Bühnenbilder von Joseph Roths „Hiob“, d’Alberts „Tiefland“ und Janáceks „Die Sache Makropulos“ entworfen. Nun war er im „Don Giovanni“-Team mit Kurt Josef Schildknecht (Regie), Lukas Beikircher (musikalische Leitung) und Gera Graf (Kostüme). Zunächst wollte er Geiger werden, studierte dann aber Malerei und Graphik in Innsbruck und Wien und wurde nach einem Engagement als Grafiker am TLT freischaffender Bühnenbildner. Er schuf Hunderte Bühnenbilder für Oper und Schauspiel, u. a. in München, Stuttgart, Frankfurt, Dresden, Hamburg, Berlin, Wien, Zürich, Reykjavik und Tel Aviv, und arbeitete mit vielen prominenten Regisseuren. Hauser erhielt zahlreiche Nominierungen als bester Bühnenbildner und ist Träger des Bayerischen Theaterpreises. Für „Die Sache Makropulos“ am TLT erhielt er den Österreichischen Musiktheaterpreis. Mit Kurt Weinzierl legte Heinz Hauser den Grundstein für die ersten Tiroler Volksschauspiele in Hall.

Wie viele Bühnenbilder haben Sie bisher geschaffen?

Heinz Hauser: Den Unmengen an Unterlagen nach zirka 300, aber wahrscheinlich sind es mehr.

Ihre Bühnenbilder haben einen surrealen Grundton, schließen das Traumhafte, Verdeckte, Unterschwellige, Visionäre mit ein.

Hauser: Sie sind alle surreal, traumhaft im Sinn von unwirklich. Ich möchte die Gedanken der Zuschauer beschäftigen, in eine unbewusst surreale Richtung hin bringen, sie sollen sich in meine Bühnenbilder hinein träumen und denken und die eigene Phantasie einbringen können.

In „Die Sache Makropulos“ ist es Ihnen gelungen, den Zuschauer mit der 300 Jahre alten Hauptperson transparent durch Zeit und Raum zu führen. Neu und eindrucksvoll war auch das durch die Drehbühne veränderbare Fadenspiel in Joseph Roths „Hiob“, das in seiner Abstraktion Unbewusstes erreichbar machte.

Hauser: Es waren Gummibänder, die ich da zum ersten Mal verwendet habe. Damit kommen wir zu „Don Giovanni“. Die wichtigsten dramaturgischen Szenen sind die Ermordung des Komturs im Duell am Anfang und Giovannis Höllenfahrt am Schluss. Ich habe mir sehr viele Höllenfahrten angeschaut und es waren beeindruckende dabei, aber ich wollte etwas anderes machen. Es geht mir ja nie um reale Orte wie eine Straße oder einen Vorhof. Ich dachte an „Hiob“ und nahm das Material wieder auf. Wir haben 3,5 Kilometer Gummibänder verarbeitet, in die für das Licht UV-Fäden eingearbeitet sind.

Eine neue Erfahrung für alle Beteiligten?

Hauser: Sehr schwierig vor allem für die Technik, aber sie haben das großartig gelöst. Bühnenrealismus interessiert mich wenig, es ist immer eine Herausforderung, nicht Räume, sondern Gefühle zu erzeugen.

Wie gehen Sie die Umsetzung, in Ihrem Fall die optische Durchdringung und Erweiterung, eines Themas an, wie kann man sich anfangs verständigen?

Hauser: 99 Prozent meiner Arbeit steht bei der ersten Begegnung mit dem Regisseur. Die Technik an den Theatern ist meist glücklich, wenn ich mit meinen Plänen komme. Sie sind noch immer handgezeichnet, groß, diffizil ausgeklügelt, es steht alles drauf. Die jungen Kollegen machen alles am Computer, da musste zum Beispiel in Mannheim zum Verständnis alles umgezeichnet werden. Da heißt es nun im Vertrag, Pläne à la Heinz Hauser …

Wenn Sie dem Regisseur/der Regisseurin das Bühnenbild fertig präsentieren, wird das sofort akzeptiert?

Hauser: Die meisten akzeptieren meine Arbeit, wenn sie sie gesehen haben, und lassen sich gerne inspirieren. In Trier habe ich letztes Jahr eine „Zauberflöte“ mit mehrfacher Spiegelung entworfen, fix und fertig hingestellt, das wurde sofort angenommen. Ein wenig von der Idee habe ich jetzt in den Innsbrucker „Don Giovanni“ eingebracht.

Haben Sie im Bühnenbild auch schon politisch Stellung bezogen?

Hauser: Nicht explizit, aber ich habe viel mit dem seinerzeit prominenten Regisseur David Mouchtar-Samorai zusammengearbeitet. Er war Araber, aber Israeli und immer auch politisch in seiner Arbeit. Vielleicht ist da meine Art entstanden, Gedanken surreal zum Ausdruck zu bringen. Und in Deutschland ist Theater ohnedies politischer und radikaler als hier.

Ist Ihnen egal, was Regisseure in Ihrem Bühnenbild machen?

Hauser: Da habe ich letztlich wenig Einfluss. Oft bin ich überrascht, weil ich ja nicht in jeder Probe sitzen kann. Es gibt auch Enttäuschung, wenn ich viel vorgebe und dann sehe, dass Wichtiges negiert oder nicht erkannt wurde.

Bei den Telfer Volksschauspielen waren Sie von Anfang an prägend dabei und schufen das Bühnenbild zu „Stigma“.

Hauser: Ja, ich habe dann überhaupt viel mit Hans Brenner und Ruth Drexel gemacht. Der Hansl hat mich auch an die deutschen Theater gebracht.

Musik- oder Sprechtheater: Gibt es eine Lieblingsgattung?

Hauser: Jetzt die Oper. Auch wenn mir bei den Orchesterproben nicht gefällt, was oben passiert – ich höre die Musik.