Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 01.07.2019


Bezirk Landeck

“Max 500“: Zwei Triumphzüge mit künstlerischen Bestnoten

„Max 500“ in Landeck und Altfinstermünz: Ensembles verknüpften Gegenwart und Vergangenheit zu einem gelungenen Gesamtkunstwerk.

An der Grenzfestung am Inn kam es zum musikalisch anspruchsvollen „Maximiliantreffen“ von Ensembles aus Nauders und dem Engadin.

© WenzelAn der Grenzfestung am Inn kam es zum musikalisch anspruchsvollen „Maximiliantreffen“ von Ensembles aus Nauders und dem Engadin.



Von Helmut Wenzel

Landeck, Nauders – Maximilian ist nur noch eine Puppe, die ihre menschliche Hülle verloren hat und tot am Boden liegt. Beim Klang düsterer Hackbrett-Töne erwacht er im Jenseits. Noch immer erinnert er sich an seine glanzvollen Zeiten als Herrscher. Doch schnell ahnt er, dass das alles nicht mehr wichtig ist. Zwei fremde Kreaturen kommen auf ihn zu, eine Gottheit und eine Figur aus der Hölle. Max ist verwirrt. Er will erklären, dass er Anspruch auf etwas Größeres hat. Sein Platz sollte irgendwo anders sein, weiter oben.

Doch die Kreaturen machen ihm klar: Es gibt nichts mehr, es gibt kein Oben. Schließlich bekommt er seinen fixen Platz im Jenseits – auf einem Narrenschiff.

Auf Schloss Landeck: Maximilian erwacht als Puppe im Jenseits, wo ihn fremde Kreaturen vom hohen Ross holen und ihm die Gleichheit aller erklären.
Auf Schloss Landeck: Maximilian erwacht als Puppe im Jenseits, wo ihn fremde Kreaturen vom hohen Ross holen und ihm die Gleichheit aller erklären.
- Wenzel

Mit diesem Puppentheater, aufgeführt beim Maximilianfestival am Freitagabend im Rittersaal auf Schloss Land­eck, ernteten die Darsteller tosenden Applaus. Das Ensemble unter der Leitung von Yoav Chorev kam von der Anton Bruckner Privatuniversität in Linz. Hervorragenden Eindruck hinterließ auch der Fließer Chor Xang6521 mit Leiterin Judith Zöhrer. Das 30-köpfige Ensemble, begleitet von Miriam Öttl (Violine), Marita Delago (Cello), Martin und Lukas Handle (Trommel) sowie Danial Moazeni (Tar und Gesang), hatte sich in der Gotischen Halle an die musikalische Umsetzung von Maximilians fiktiven Reisevisionen gewagt. Der aus dem Iran stammende Komponist Danial Moazeni ließ orientalische und europäische Klangkultur verschmelzen.

Musikanten der Stadtmusikkapelle Landeck unter der Leitung von Helmut Schmid haben für Schwingungen im Schlossturm gesorgt. Aufgeführt wurde das Stück „Nowhere now here“ für sechs Saxophone, fünf Klarinetten und „sprechende Schuhe“. Geschrieben hat es die Kompositionsschülerin Ye-Leen Choi aus Seoul.

Mehrere hundert Besucher bewegten sich im Laufe des Abends zu den Aufführungsplätzen, eine offizielle Zahl gibt es allerdings nicht.

Der Fließer Chor „Xang6521“ erntete Standing Ovations.
Der Fließer Chor „Xang6521“ erntete Standing Ovations.
- Wenzel

Das gilt auch für den Maximilian-Schauplatz Altfinstermünz bei Nauders. Dort ging am Samstagnachmittag die Inszenierung unter dem Titel „Fin al Cunfin, eine Grenzüberschreitung“ über die Bühne. Konzept und Regie stammen von Daniel Ott: Er ließ einen musikalischen Trauerzug auf österreichischer Seite marschieren, während sich auf Schweizer Seite ein Triumphzug zur Wehranlage Altfinstermünz bewegte. Dort kam es zum gemeinsamen Auftritt der Ensembles und Chöre. Aus dem Off gab es Erklärungen zum historischen Geschehen vor 500 Jahren über Lautsprecher – in Deutsch und Rumantsch.

Altfinstermünz-Präsident Hermann Klapeer steuerte eine moderne Interpretation des „Ewigen Landfriedens“ bei, den Maximilian im August 1495 verkündet hatte. „Trotz der heißen Temperaturen war das Besucherinteresse groß“, resümierte Klapeer.

Engadiner Musikanten beim Altfinstermünz-Triumphzug.
Engadiner Musikanten beim Altfinstermünz-Triumphzug.
- Wenzel