Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 08.07.2019


Bühne

Vom Mut, Nein zu sagen

„Die Weiße Rose“ in einer Aufführung der Theatergruppe Vorderes Ötztal.

Nora Winkler und Hartwig Ladner als Sophie und Hans Scholl auf der Freilichtbühne in Umhausen.

© HauserNora Winkler und Hartwig Ladner als Sophie und Hans Scholl auf der Freilichtbühne in Umhausen.



Von Markus Hauser

Umhausen – Am 22. Februar 1943 wurden die Geschwister Hans und Sophie Scholl als führende Mitglieder der Widerstandsgruppe „Die Weiße Rose“ vom Nazi-Regime brutal ermordet. Den Mut, „Nein“ zu sagen und öffentlich gegen das Regime aufzutreten, bezahlte man mit dem Lebe­n. Hans und Sophie Scholl gelten als Galionsfiguren des Widerstands. Ihre Geschichte diente als Vorlage für Opern, Konzert- und Theaterstücke wie dem 2018 in Wien uraufgeführten Drama „Die Weiße Rose“ von Petra Wüllenweber, das aktuell unter der Regie von Lukas Leiter von der Theatergruppe Vorderes Ötztal auf der Freilichtbühne in Umhausen für totale Betroffenheit sorgt.

Allein mit dem vorerst kargen, extrem reduzierten Bühnenbild, einer schwarzen Tafel, auf der Assoziationen auslösende Begriffe niedergeschrieben werden, löst Leiter die Geschehnisse aus der Zeit und lässt das Publikum wissen, dass das, was da passierte, in einer Zeit geschah, als das Recht der Politik folgte und kaum jemand glauben konnte, was alles möglich sei.

Humanistisch geschult und gefestigt im Glauben folgen Sophie und Hans Scholl unter Lebensgefahr der Devise „Wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht“. Zu glauben, diese Zeiten wären vorbei, ist ein Irrtum, der Bedarf an Persönlichkeiten wie Sophie und Hans ist auch heute noch gegeben. Und das kommt durch die Idealbesetzung mit Nora Winkler als Sophie und Hartwig Ladner als Hans, aber auch durch Andreas Flür als Christoph Probst – der dritte der ermordeten Widerstandskämpfer – nachdrücklich zum Ausdruck.

Winkler, Ladner und Flür durchleben berührend wie packend die jugendliche Verführbarkeit, das Erwachen in einem Albtraum, den mit tiefster Überzeugung ausgefochtenen Widerstand bis hin zum einkalkulierten Opfertod für die Menschlichkeit. Freilich, der Bezug zur Gegenwart hätte intensiver ausfallen können.

An den in mehreren Rollen auftretenden Andreas Flür, Engelbert Kaneider, Tamar­a Hechenberger, Gerhard Hechen­berger und Mathias Walch scheinen die Facetten (un)menschlichen Agierens, das Ausgeliefertsein und die Bandbreite menschlicher Charakterhaltungen glaubhaft festgemacht.

Noch bis 3. August. Infos und Karten: www.theatergruppe-vorderesötztal.at




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