Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 13.07.2019


Niederösterreich

„Brüderlein fein“: Hommage an Ferdinand Raimund

Uraufführung von Felix Mitterers „Brüderlein fein“ im niederösterreichischen Gutenstein.

Johannes Krisch als Ferdinand Raimund.

© Kern/RaimundspieleJohannes Krisch als Ferdinand Raimund.



Gutenstein – Im Theaterzelt in Gutenstein ist am Donnerstagabend Felix Mitterers Stück „Brüderlein fein“ zur Uraufführung gelangt: ein Auftragswerk über die Biografie und Persönlichkeit von Ferdinand Raimund, letztlich eine einfühlsame Hommage. Am Ende gab es Standing Ovations für alle Mitwirkenden, insbesondere für Burgschauspieler Johannes Krisch.

Ein Theaterstück über einen legendären Theaterdichter und Schauspieler, der als Genius loci über Gutenstein schwebt: Das hätte eine betuliche, sentimentale, pathetische Angelegenheit werden können. Doch nichts von alledem. Mitterer hat die Vita Raimunds zu einer kitsch- und klischeefreien, zügigen, stringenten Bühnenhandlung gestaltet, mit lebensvollen Charakteren, plastischen Szenen, flotten Dialogen, poetischen Passagen und kleinen „Verdichtungen“.

Das Leben eines genialen Schwierigen, Besessenen, zuletzt Wahnsinnigen wird nachvollziehbar, was nicht zuletzt der Verdienst von Johannes Krisch in der Titelrolle ist, der diese Besessenheit intensiv spürbar werden lässt mit allen cholerischen Kapriolen, Extravaganzen, Aggressionen, die bis zur Gewalttätigkeit reichen.

Ein fiebriger, zerrissener, rasch aufbrausender Mensch geistert durch ein ruheloses Leben, ein emotionaler Berserker, den die Tollwutphobie in den Suizid treibt, ein toller Wutbürger des Biedermeier.

Auch die weiteren Rollen sind bestens besetzt. Gerhard Kasal, über viele Jahre Ensemblemitglied am Tiroler Landestheater, bestreitet gleich vier Rollen.

Nicole Claudia Weber hat eine sehr stimmige Inszenierung auf die Bühne gebracht, die sich der Atmosphäre Raimund’scher Zauberspiele auf kongeniale Weise annähert. Ein feines Stück ist es also geworden, und es mag nicht zu dick aufgetragen sein, wenn Mitterer über Raimund nach abgeschlossener Arbeit nun sagt: „Du wurdest mir ein Bruder.“ (APA, TT)