Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 16.07.2019


Bezirk Schwaz

Ludwig Glaser im Interview: Einer, der die Bühne liebt

Ludwig Glaser aus Stumm ist neuer Bezirksobmann des Tiroler Theaterverbandes. Im Interview verrät er, wie er zum Schauspielern gekommen ist, was er gerne verändern möchte und wie es um den Nachwuchs steht.

So sah die letzte Theaterrolle von Ludwig Glaser aus...

© FankhauserSo sah die letzte Theaterrolle von Ludwig Glaser aus...



Stumm — In seinen Adern fließt Theaterblut. Ludwig Glaser stand bereits als kleiner Junge auf der Bühne. Beim Stummer Schrei wuchs seine Freude am Theater vor sowie hinter der Bühne und mit ihm das Festival. Mittlerweile ist der Zillertaler schon wieder eine Bühne weiter. Vor Kurzem wurde er zum Obmann des Theaterverbands im Bezirk Schwaz gewählt. Wie er die insgesamt 35 Bühnen im Bezirk unterstützt und was seine Ziele sind, verrät er im TT-Interview.

Was sind deine Aufgaben als Obmann des Theaterverbandes im Bezirk Schwaz?

Ludwig Glaser: Ich bin das Bindeglied der Bühnen zum Tiroler Theaterverband, sprich Schulungen, Fortbildungen, Ehrungen oder Hilfestellung bei Förderungen. Teils bekomme ich auch Anfragen von Eltern, die nicht wissen, an wen sie sich wenden sollen, wenn ihr Kind Theater spielen möchte. Ich vermittle dann einen Kontakt.

Und das tust du für alle 35 Bühnen im Bezirk Schwaz?

Glaser: Ja, die Tendenz ist sogar steigend. Es kommen noch ein paar dazu. Der Bezirk ist kulturtechnisch ein Vorreiter in Tirol. Wir haben viele Orte, wo es mehr als nur eine Bühne gibt. Das finde ich super.

Welche Herausforderungen erwarten dich als Obmann?

Glaser: Der Bezirk ist beim Nachwuchs gut aufgestellt, aber da kann man immer etwas machen. Es gibt auch Situationen in Vereinen, wo es nicht mehr so gut funktioniert oder sich die Führung verkracht. Da versuche ich zu schlichten. Ich möchte auch, dass das Zusammenwirken unter den Bühnen besser wird. Dass man sich mehr gegenseitig hilft.

Wie bist du zum Theater gekommen?

Glaser: Ich spielte meine erste Theaterrolle im Paulinum mit zehn Jahren. Irgendwann kam ich vom Pauliner Theater zum Stummer Theater. Durch einen Ausfall beim Stummer Schrei landete ich schließlich 2012 dort. Und 2013 wurde ich dann Obmann des Stummer Schreis.

Dein Ende als Obmann kam fünf Jahre später überraschend. Was ist passiert?

Glaser: Ja, weil ich zeitlich einfach nicht mehr die Möglichkeiten hatte. Der Stummer Schrei ist so gewachsen, das ging für mich als Ehrenamt nicht mehr. Das ist ein Sieben-Tage-Job. Wir haben dann zwar einen Festivalleiter eingestellt und vieles zusammen gemacht, aber das Zeitpensum habe ich einfach nicht mehr geschafft.

Es wurde gemunkelt, dass es ein Loch in der Kassa gab.

Glaser: Das ist totaler Blödsinn. Das Festival stand finanziell sehr gut da und ich habe es im Plus übergeben. Es gab intern Streitigkeiten im Vorstand. Das hat wohl auch dazu geführt, dass ich es gelassen habe.

Hat das deine Lust auf Theater gedämpft?

Glaser: Nein. Es war für mich eher ein Lernprozess. Man lernt, wie es in Vereinen funktioniert, was mir jetzt sehr weiterhilft.

Hast du noch Zeit, selbst auf der Bühne zu stehen?

Glaser: Nein. Denn was viele vergessen: Die Darsteller fangen ja drei Monate vor dem Auftritt an zu proben. Man hat im Schnitt 30 bis 40 Proben. Und da ist es egal, ob du eine Rolle hast, wo man vier Sätze sagt oder 500. Man muss immer da sein und zusammenspielen. Viele verzichten dafür auf ihren Urlaub und opfern ihre Freizeit. Das muss man schon bewundern.

Was macht denn den Reiz aus, unsichtbar hinter der Bühne mitzuwirken?

Glaser: Wenn das Stück funktioniert und die Leute klatschen, dann weiß man auch hinter der Bühne, dass man ein Teil davon ist. Licht, Ton, Kostüme, Schminke, alles hat gepasst. Ohne die Leute hinter der Bühne geht nichts.

Wie kann man die Jugend fürs Theater animieren?

Glaser: Es gibt das Young Active Festival in Tirol für Kinder und Jugendliche und auch im Bezirk einige tolle Jugendprojekte. Aber ich denke, die Schulen müssten mehr leisten mit Schulspielen. Kinder können vom Theater nur profitieren: Sie lernen auftreten, reden, Selbstvertrauen, soziale Kontakte etc.

Wo liegen denn die Potenziale im Bezirk Schwaz?

Glaser: Es gibt so viele gute Schauspieler und Volksbühnen, die sich trauen, auch anspruchsvolle Stücke zu spielen. Wie etwa die Tuxer mit ihrem derzeitigen Stück „Endstation". Und das machen sie echt gewaltig. Der Bezirk hat ein breites Spektrum an Schauspielern und Bühnen.

Hast du dir als Obmann ein bestimmtes Ziel gesetzt?

Glaser: Ich möchte die Jugend mehr forcieren, dass man mit den Schulen etwas zusammen macht. Zudem wäre es schön, auch bezirksübergreifend etwas zu schaffen.

Das Interview führte Eva-Maria Fankhauser

Glaser spielte den Inspektor Guritsch beim Stück „Der Bockerer“ in Stumm.
Glaser spielte den Inspektor Guritsch beim Stück „Der Bockerer“ in Stumm.
- Fankhauser

Ludwig Glaser

Mein Lieblingsstück ist „Der Bockerer“.

Wenn ich auf der Bühne stehe, fühle ich mich wie ein anderer Mensch.

Am liebsten spiele ich lustig-böse Figuren.

Als nächstes Theater besuche ich Silberberg in Schwaz.

Zuletzt herzhaft gelacht habe ich beim Stück „Endstation“ in Tux.

Das mag ich gar nicht: Drama.

Dieses Stück rührte mich zu Tränen: „Märzengrund“.

Mein erstes Mal auf der Bühne war mit zehn Jahren und da musste ich singen. Das war furchtbar.