Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 16.07.2019


Bezirk Reutte

Stück zu Missionsärztin Anna Dengel: Große Gefühle und prägnante Figuren

Claudia Lang-Forcher setzt Anna Dengel ein literarisches Denkmal und sorgt für Gänsehaut beim Publikum.

Die mehr als 20 Laienschauspieler gehen in ihren Rollen voll auf...

© Markus HauserDie mehr als 20 Laienschauspieler gehen in ihren Rollen voll auf...



Von Markus Hauser

Elbigenalp – Kann man einem großartigen Menschen, seinem Wesen und Wirken mit Worten überhaupt gerecht werden? Die Lechtaler Autorin Claudia Lang-Forcher kann es offensichtlich, wenn sie wie in ihrer aktuellen Produktion auf der Geierwally-Freilichtbühne mit der Kraft der Worte, mit einer geradezu suggestiven Wirkung von Bildern und packenden Emotionen das Leben einer der bemerkenswertesten Tiroler Frauen, der aus Steeg stammenden Missionsärztin Anna Dengel, nachzeichnet.

Die Mittel, mit denen Anna Dengel die Welt zum Besseren veränderte, waren nicht nur die der Barmherzigkeit, Güte, Nachsicht, Milde, der unermüdlichen Hilfsbereitschaft und einer scheinbar grenzenlosen Empathie für die Schwächsten der Gesellschaft, sondern auch oder vor allem die der unermüdlichen Tatkraft. Diese Tatkraft führte über Dengels Gründung der Missionsärztlichen Schwestern unter anderem zum Bau von 50 Krankenhäusern weltweit.

... und nehmen die Besucher mit auf eine Reise durch das Leben der Anna Dengel.
... und nehmen die Besucher mit auf eine Reise durch das Leben der Anna Dengel.
- Markus Hauser

Und wenn Claudia Lang-Forcher bewusst die ganz großen Gefühle in ihren Text legt, die man nur allzu gerne in der Kategorie „Herz-Schmerz“ verortet, so hat das gar nichts mit oberflächlicher Gefühlsduselei oder mit einem sentimentalen Krippenbild zu tun. Denn wie viel Kraft und vor allem Herz brauchte Anna Dengel, um diesen ihren Weg zu gehen, und wie viel Schmerz in Form von Ablehnung und Rückschlägen musste sie erfahren?

Mit prägnanten Figuren umrissen und mit effektvoller Szenenführung transportiert Lang-Forcher nicht nur eine packende Lebensgeschichte, sondern präsentiert ein Lichtbild beispielhafter menschlicher Haltung. Was sich mit Worten nicht sagen lässt, vermittelt sie mit der Magie von Bildern, wenn beispielsweise eine Tänzerin (Judith Schmid) oder umtreibende Dämonen innere Zerrissenheit und existenzielle Grenzerfahrungen versinnbildlichen.

Mit mehr als zwanzig Laienschauspielern und Vollprofi Bernhard Wolf stehen Lang-Forcher exzellente Akteure zur Verfügung, die durchwegs in mehreren Rollen glänzen. Frida Kammerlander, Janine Köpfle, Eva-Maria Kleiner und Luise Knittel durchleben auf packende Art und Weise vier Lebensabschnitte als Anna Dengel. Großartig, wie Bernhard Wolf (Papst, Kardinal) und Jürgen Grießer (Pater Mathis) als Vertreter der Kirche den Unwillen oder die Unfähigkeit, mit einem klaren „Ja“ oder „Nein“ Position zu beziehen, auf den Punkt bringen. Eine politisch-kirchliche Strategie, die auch heute noch Gläubige nicht am Glauben, sondern an der Institution Kirche zweifeln lässt. Stefan Bauer als Anna Dengel fördernder Pater Rimmel, überzeugend in seiner nicht dem damaligen Zeitgeist entsprechenden Haltung. Ergreifend Simone Kammerlander als stetig präsente Mutter Annas. Wunderbar die Kinder, allen voran Paul Kammerlander sowie Michaela Togan, Alexandra Bilgeri, Gerti Wolf – drei tolle Schwestern vom Kaliber „Sister Act“.

Auch die Musik kommt nicht zu kurz als Transportmittel für Gefühle. „Edelweiß“ und zum Finale Leonard Cohens „Hallelujah“, vom Publikum mitgesungen, verursachen Gänsehaut und geben vielleicht etwas von dem Gefühl, das ein kompromissloses Füreinander-Dasein ausmacht.

Weitere Infos zu den Spielterminen gibt’s unter www.geierwally.at

Anna Dengel – Missionsärztin und eine wahre Heldin der Menschlichkeit.
Anna Dengel – Missionsärztin und eine wahre Heldin der Menschlichkeit.
- Markus Hauser