Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 23.07.2019


Festpiele Erl

„Franui“ und „Die Strottern“: Der Tod, herzhaft ausgelacht

„Franui“ und „Die Strottern“ rühren bei den Festspielen in Erl kräftig im Schmäh-Topf um. Da bleibt kein Auge trocken.

Musikalisches Crossover als großes Entertainment. „Die Strottern“ Klemens Lendl und David Müller (vorne, v. l.) verleihen dem Wiener Lied Witz und Charme. Die „Musicbanda Franui“ mit Bandgründer Andreas Schett (2. v. r) hält Franz Schubert in Ehren.

© KitzbichlerMusikalisches Crossover als großes Entertainment. „Die Strottern“ Klemens Lendl und David Müller (vorne, v. l.) verleihen dem Wiener Lied Witz und Charme. Die „Musicbanda Franui“ mit Bandgründer Andreas Schett (2. v. r) hält Franz Schubert in Ehren.



Von Markus Schramek

Erl – „Gschichtldrucker“ und „Schmähführer“ gelten gemeinhin nicht als Komplimente, sondern als deren abschätziges Gegenteil. Doch das ist grob ungerecht, eine semantische Fehlleistung! Wenn jemand gewieften Humor und Fabulierkunst derart gekonnt in Wort und musikalische Tat umsetzt wie die Musicbanda Franui und Die Strottern, wird aus schräg beäugten Eigenschaften plötzlich ein Lebenselixier.

Einen kräftigen Schluck davon durften sich am Sonntagabend die Gäste im Festspielhaus zu Erl genehmigen. Dort haben sich besagtes Ensemble Franui (mit Ursprung Villgratental, das manch einer wohl nur mithilfe von Google lokalisieren kann) und Die Strottern (aus Wien, das ist leichter zu finden) auf ein Paktl geworfen. Angeblich ist diese Bühnen-Kollaboration geistige Frucht eines ausgedehnten Baraufenthalts auf der Ostseeinsel Rügen. Vielleicht ist aber auch das nur ein weiteres Gschichtl.

Erwiesen ist, dass sich Die Strottern (Wienerisch für „Landstreicher“, „Müllstierler“) dem „Weanaliad“ verschrieben haben. Und diesem mit pointiertem Zweigesang, begleitet von Geige und Gitarre, zu neuer Beliebtheit verhelfen, auch außerhalb von Heurigenlokalen.

Bald schon wird klar, dass beim fidelen Dutzend auf der Bühne (zehn Franui-Musiker, zwei Strottern) stimmige Chemie an der Arbeit ist. Das Grundgerüst steuert ein großer, schon lange Abwesender bei: Franz Schubert (1797–1828). Ihm ist die folgende „Schubertiade“ gewidmet. Denn aus dem Fundus des sehr jung verblichenen Komponisten stammt so manche Anleihe des Konzerts.

Strottern-Sänger Klemens Lendl ruft die werte Zuhörerschaft dazu auf, öfter auch selbst Schubert-Lieder zu singen. Ein frommer Wunsch, schon rein technisch, da hört man lieber den Strottern zu. Lendl und Gesangspartner (und Gitarrist) David Müller gehen, rein optisch, als Simon und Garfunkel aus der Vorstadt durch. Doch textlich und musikalisch kein Vergleich, da rennt der Schmäh.

Der Tod ist (im Wienerlied) allgegenwärtig, er wird belächelt und kleingeredet. Man wünscht sich die Schrammeln als letztes Geleit – und „a Flaschl Wein“ als Wegzehr. Vorneweg marschieren „Die Zwei von der Pietät“: Trauermusikanten, die, weil schon ordentlich betankt, keinen geraden Ton herausbringen. So herzerfrischend hat man noch selten über den finalen Abgang gelacht.

Franui steuert zum Liedgut aus der Hauptstadt den Soundtrack bei, bisweilen schmalzig und dick aufgetragen, süßer die Trompeten nie klingen. In den eigenen Stückln wird Schubert hinauf- und hinunterimprovisiert. Auszüge aus 17 Tänzen ergeben augenzwinkernd den „Albtraum eines österreichischen Pianisten“.

Im Schlussstück „An einen Freund“ werden sogar gleich drei Komponisten zitiert: wieder Schubert, Richard Strauss und Anton Bruckner. Wie schön, dass Franui auch nach langer Karriere noch so viel Lust am Spielen vermitteln.

Begrüßt wurde das Publikum zweisprachig, in Stereo, weil zwei Sprecher gleichzeitig drauflosplauderten: Klemens Lendl auf Wienerisch (in eingedeutschter Softversion) und Franui-Chef Andreas Schett (in breitem Villgraterisch, Dolmetscher ratsam).

Die Verabschiedung fällt unisono aus: Unter dem Beifall eines Publikums, das bestens unterhalten wurde und sich offen zeigte für Neues und bisweilen Schräges.