Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 01.08.2019


Bühne

Theaterstück über das Mädchen, das Hitler traf

Das Schicksal des „Siggitzer Moidele“ aus Dölsach inspirierte die Gruppe „FrauenART“ zu einem Stück. Premiere ist am 23. August.

Regina Mayr als „Moidele“ mit Martha Klocker, Eva Meissl und Yvonne Steurer (v. l.), die die Rollen von Zeitgenossinnen übernehmen.

© Herbert SteurerRegina Mayr als „Moidele“ mit Martha Klocker, Eva Meissl und Yvonne Steurer (v. l.), die die Rollen von Zeitgenossinnen übernehmen.



Von Catharina Oblasser

Dölsach – Das Leben außergewöhnlicher Frauen fasziniert die Osttiroler Theatergruppe „FrauenART“. 2018 war es die Geschichte der Emerenzia Pichler, die 1680 in Lienz als Hexe verurteilt und hingerichtet wurde. Heuer widmen sich die sechs Frauen dem Leben von Maria Rogl, auch bekannt als „Siggitzer Moidele“. Im Stück „Die Vorbeterin“ stellt die Theatergruppe das Leben der Dölsacherin dar, zehn Bilder zeichnen die Geschichte auf der Bühne nach.

Maria Rogls Leben war nicht einfach. 1919 als ältestes von zehn Kindern geboren, wuchs sie auf dem Siggitzer-Hof in Dölsach auf. Bekannt wurde sie im näheren Umkreis durch den Kontakt mit Adolf Hitler, den sie im April 1938 bei einer Veranstaltung in Klagenfurt kennen lernte. Maria war Marketenderin der Musikkapelle, der Führer fand Gefallen an dem Bauernmädchen in Tracht und lud sie zum Reichsparteitag in Nürnberg ein. Dieses Wohlwollen brachte der jungen Frau nach Kriegsende wiederum Nachteile ein, wie sie 2008 in einem Zeitzeugen-Interview auf der Plattform „Virtuelles Haus der Geschichte Tirol“ (siehe Kasten links) erzählt.

Weniger bekannt ist das schwere Leben der Dölsacherin, nachdem sie sich in einen verheirateten Mann verliebt, schwanger wird und „Schande“ über ihr Elternhaus bringt. Sie stirbt im Jänner 2018 im 99. Lebensjahr.

Regie führt, wie schon beim vorjährigen Projekt, Roswitha Selinger, unterstützt von Theaterfachmann Ekkehard Schönwiese. „Unser Stück basiert auf dem Interview mit Maria Rogl, das auf der Plattform ,Virtuelles Haus der Geschichte Tirol‘ zu sehen ist“, sagt Selinger. „Auch die Art, wie Maria spricht, versuchten wir beizubehalten.“ Für die historischen Umstände dieser Zeit ist Erzählerin Margarethe Oberdorfer zuständig. Heuer wäre das „Moidele“ 100 Jahre alt geworden, und sie war in Dölsach eine bekannte Vorbeterin bei Begräbnissen, fügt die Regisseurin hinzu. Daher der Titel des Stücks.

Premiere ist am 23. August, 20 Uhr, im „Kunsthaus sinnron“ in Dölsach. Bis 8. September wird jeweils Freitag, Samstag und Sonntag gespielt. Kartenvorverkauf: Trafik Semrajc, Lienz (beim Kino).




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