Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 04.08.2019


Bezirk Kufstein

Königin auf der Burg die Krone aufgesetzt: Die Fledermaus in Kufstein

Hervorragende Sänger, wirklich lustige Komiker und ein Melodienfeuerwerk: Die Fledermaus auf der Festung Kufstein adelt den Operettensommer.

Nach dem Auftritt von Weltstar Edita Gruberová hielt es das Publikum nicht mehr auf den Sitzen.

© Hrdina, BöhmNach dem Auftritt von Weltstar Edita Gruberová hielt es das Publikum nicht mehr auf den Sitzen.



Von Wolfgang Otter

Kufstein – Natürlich war da und dort das Tempo etwas zu straff, gab es kleine Missverständnisse und Texthänger und Versprecher – aber was soll’s. Freitagabend war die Premierenaufführung der Fledermaus von Johann Strauß beim Operettensommer Kufstein – und live ist eben live. Daher bleibt nur ein Fazit: Es ist die mit Abstand beste Aufführung, die es auf der Festung bislang zu hören gab. Freunde des Genres und alle anderen werden etwas versäumen, wenn sie nicht den Weg auf die Festung auf sich nehmen.

Alleine der Rosalinde wegen. Viktorija Kaminskaite brachte eine sensationelle Leistung als zwischen zwei Männern hin- und hergerissene Ehefrau auf die Bühne, sängerisch wie schauspielerisch. Rinnat Moriah stand ihr mit ihrem strahlenden Sopran als listig-kokettes Dienstmädchen Adele um nichts nach. Grandios! Und Sebastian Reinthaller als Eisenstein war ohnedies eine Klasse für sich. Da saß jeder Ton, jede Geste.

Sascha Nader als künstlerischer Leiter hatte sie und noch mehr Künstler um sich geschart, um Johann Strauß’ Werk auf die Bühne zu bringen. Es war des Komponisten großer Traum, einmal eine Oper zu schreiben, geworden ist es die Fledermaus, angesiedelt irgendwo zwischen komischer Oper und einer Operette, der eigentlichen Werksgattung schon weit entwachsen. Die Königin des Genres eben.

Die Handlung (das Libretto stammt von Richard Genée) ist absurd und eigentlich nicht wirklich eine. Ein einziges in Champagnerstimmung gefeiertes großes Fest. Spritzig und komisch von Regisseur Karl Absenger auf der eher nüchternen, aber zweckerfüllend gehaltenen Bühne (Andrea Kuprian-Maier, die auch für die Kostüme zuständig war) in Szene gesetzt. Dabei meidet Absenger jegliche Experimente, die Maxime ist Unterhaltung. Die Fledermaus ist ein durchaus auch der feinen Gesellschaft den Spiegel vorhaltendes Verwirrspiel um einen Ehemann, der von seinem Freund Dr. Falke (Michael Havlicek, er verdient ein Ausrufezeichen) als Rache in ein großes Intrigenspiel verwickelt wird. Wichtige Rollen spielen dabei der russische Fürst Orlofsky (Martin Rassau, schauspielerisch gut, sängerisch in seiner berühmten Arie viel zu dünn), Alfred, Gesangslehrer und Liebhaber von Rosalinde (Operettensommer-Dauergast Mehrzad Montazeri erfreute wieder mit seinem strahlenden Tenor), und der Gefängnisdirektor Frank (witzig, souverän Josef Forstner). Nicht vergessen darf man die anderen im Ensemble: Auch Ernst Dieter Suttheimer als Dr. Blind und Roswitha Straka als Ida sowie der Wiener Volksopernchor und der Ballettverein der Volksoper (Choreographie Harald Baluch) trugen zum Erfolg des Abends bei. Sie alle hatte Dirigent Guido Mancusi fest in der Hand, gab straffe Tempi vor. Das Orchester der Staatsoper Timisoara zeigte sich von der besten aufmerksamen Seite, in der Ouvertüre noch etwas steif, gelang letztlich Mancusi und allen der Linkswalzer perfekt. Vor der Pause gab es dann noch eine große Überraschung exklusiv für die Premierengäste. Die gefeierte Primadonna Edita Gruberová stand plötzlich auf dem Balkon der Bühne (auf Einladung der Tiroler Tageszeitung und der Tiroler Versicherung) und hauchte und schmetterte, sich in atemberaubende Höhe schraubend, ihr Paradestück „Ach, wir armen Primadonnen“ von Carl Millöcker. Da hielt es das Publikum das erste Mal nicht mehr auf den Plätzen. Weltstar Gruberová fühlte sich so wohl, dass sie bis zum Ende des Aktes mitspielte.

Nach der Pause schlug die Stunde der Komödianten: Gleich zwei Frösche (also eigentlich Frosch und Forsch) als Gefängniswärter bot der Operettensommer auf. Volker Heißmann und Gerald Pichowetz ließen bissig und frech so ­manches Fettnäpfchen und manchen Skandal der Politik von Ibiza bis zum jüngsten Altkanzler und den Polizeipferden nicht aus.

Eines passt sicher nicht zu diesem Abend: Nämlich „Glücklich ist, wer vergisst“, wie es so schön österreichisch in der Fledermaus heißt. Diesen Abend wird man sicher nicht vergessen. Dazu war er viel zu unterhaltsam und gelungen.

Die Fledermaus ist noch bis zum 17. August zu sehen. Infos: www.operettensommer.at

Rinnat Moriah (v.) begeisterte sängerisch und schauspielerisch, auch Josef Forstner und Roswitha Straka boten Spitzenleistungen.
Rinnat Moriah (v.) begeisterte sängerisch und schauspielerisch, auch Josef Forstner und Roswitha Straka boten Spitzenleistungen.
- Thomas Boehm / TT