Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 14.08.2019


Bezirk Schwaz

Mitterers “Silberberg“ in Schwaz: „Ein Stück, das in die Tiefe geht“

Mit „Silberberg“ wird die Geschichte von Schwaz ausgegraben – mit viel Emotion, Kraft und Zusammenhalt.

Vom Profi bis zum Laiendarsteller – rund 45 Darsteller stehen heute beim Stück „Silberberg“ auf der Bühne.

© FankhauserVom Profi bis zum Laiendarsteller – rund 45 Darsteller stehen heute beim Stück „Silberberg“ auf der Bühne.



Von Eva-Maria Fankhauser

Schwaz – Stille senkt sich über die Silberstadt Schwaz. Es ist das Atemholen vor dem großen Aufstand. Langsam schlurfen die Knappen über die Bühne. Die Kapuzen tief ins Gesicht gezogen, erheben sie die Stimmen. Mit kraftvollen Bewegungen zeigen sie ihren Widerstand. Die Stimmen vereinen sich. Im Chor kämpfen die Knappen um ihr Leben, um ihre Heimat.

Die letzten Proben für das Schwazer Knappenspiel „Silberberg“ von Felix Mitterer sind geschafft. Heute Abend steht die Premiere an. Nach monatelangem Proben können es die Laien und Profis auf und hinter der Bühne kaum noch erwarten. Für die 15-jährige Viktoria aus Schwaz ist es ihr erster Auftritt. „Ich habe die Geschichte der Stadt schon gekannt, aber sie so zu erleben, ist was Besonderes“, verrät Viktoria während einer der Proben im TT-Gespräch. Auch für Anna-Lena ist es „einfach cool“, mitspielen zu können. „Wir haben als Kinder auch eine spannende Szene, wo wir als Geister auftreten“, sagt die 13-Jährige.

Kurz darauf huschen die beiden völlig vermummt über die Bühne. Jeder Schritt sitzt. Sie steigen behutsam über die am Boden liegenden Knappen, über Stock und Stein, über tiefe Gräben. Dahinter ragt die Stadtpfarrkirche empor. „Was ist mit den Vorhängen? Nein, du musst da drüben abgehen. Ja, so!“, ruft Regisseur Markus Plattner. In der einen Sekunde gibt er noch im harschen Ton Anweisungen und im nächsten steht er als Schauspieler auf der Bühne. Die Doppelbelastung sei aus der Not heraus geboren. Die Rolle bzw. Haltung der Figur komme ihm entgegen. Als Regisseur hofft er, bei den Zusehern eine besondere Empfindung zu Schwaz wecken zu können. „Ich habe durch dieses Stück plötzlich eine empathische Empfindung erlebt, die ich 45 Jahre lang vorher nicht hatte“, sagt er. Denn diese dunkle Zeit habe auch Schönes hervorgebracht – wie Zusammenhalt.

„Für mich ist das Besondere, dass es nicht diese glorifizierende Geschichte von Schwaz zeigt, sondern in die Tiefe geht“, sagt Darsteller Günther Ettel. Das Publikum werde überrascht sein, von der schonungslosen Aufarbeitung der Geschichte. Mittendrin stecken auch die beiden Innsbrucker Iris und Reinhold Sigl. Dass sie vor und teils auch in der Pfarrkirche spielen, mache das Stück noch intensiver. „Wir gehen über denselben Boden wie damals die Männer und Frauen“, sagt Reinhold. Er ist mit einer Doppelrolle – Arzt und Knappe – im Einsatz. „Ich ertappe mich beim Spielen oft, wie es mich berührt. Diese Geschichte in dieser Form hat eine große Bedeutung für die Region“, erzählt er. Auch seine Frau Iris spürte immer mehr in die Rolle rein: „Das ist schon heftig, man fühlt da richtig mit, was die Leute früher erlebt und durchgemacht haben.“

- Fankhauser

Für Hauptdarstellerin Anja Pölzl ist es bewundernswert, wie viel Herz auch die Laienspieler mitbringen. Man merke, dass die Geschichte allen nahegehe und „dass sie uns alle betrifft“. Ein Stück, das unter die Haut gehen wird, da sind sich alle auf der Bühne einig.

Die neun Spieltermine sind bereits restlos ausverkauft. Karten gibt’s noch für die Zusatztermine: 18. 8., 25. 8. und 1. 9 jeweils um 20.30 Uhr in der Schwazer Innenstadt.