Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 23.08.2019


Festwochen

“La Dori“: Die Prinzessin kommt nach Hause

Pietro Antonio Cestis Oper „La Dori“ wurde in Innsbruck uraufgeführt. Nun kehrt sie im Rahmen der Festwochen zurück.

Inszeniert wird „La Dori“ von Stefano Vizioli. Ottavio Dantone leitet das Ensemble Accademia Bizantina.

© Festwochen/LarlInszeniert wird „La Dori“ von Stefano Vizioli. Ottavio Dantone leitet das Ensemble Accademia Bizantina.



Innsbruck – Schon die Vorgeschichte ist kompliziert: Eine Königstochter wird von Piraten entführt – und in Ägypten als Tochter eines anderen Königs wiederentdeckt. Ausgerechnet jener Prinz, der ihr einst zugedacht war, verliebt sich quasi zufällig in sie, muss aber eine andere heiraten. Es folgen Schiffbruch, mehrere Maskeraden, weitere Raubzüge samt Entführungen. Irgendwann landen alle in Babylon. Und dann beginnt Pietro Antonio Cestis Oper „La Dori“ erst. Am Ende, so viel sei veraten, künden hochherrschaftliche Boten von gleich zwei Hochzeiten. Davor allerdings geht es schwungvoll und hochdramatisch drunter und drüber.

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Morgen Samstag kommt „La Dori“ im Rahmen der Inns­brucker Festwochen im Großen Haus des Landestheaters zur Premiere. Eine Rückkehr nach 362 Jahren. 1657 wurde die Oper hier – im drei Jahre zuvor neu eröffneten Hoftheater am Rennweg – uraufgeführt. Cesti selbst dürfte als Arsete, der alte Lehrer der titelgebenden Doppelprinzessin Dori, auf der Bühne gestanden haben.

1652 holte Erzherzog Ferdinand Karl Cesti (1623–1669) als Kammerkapellmeister nach Innsbruck. Davor hatte Cesti mit seinen ersten Opern in Venedig für Aufsehen gesorgt. In Innsbruck debütierte er zur Eröffnung des Hoftheaters, des ersten Opernhauses im deutschen Sprachraum, mit „La Cleopatra“. Glaubt man zeitgenössischen Berichten: ein sensationeller Erfolg.

Mit Cesti entwickelte sich Innsbruck zu einem der wichtigsten Musikzentren des barocken Europas, Brücken wurden geschlagen zwischen den italienischen Schulen und den Traditionen nördlich der Alpen. Auch „La Dori“ machte sich von Innsbruck aus auf den Weg und wurde zu einer der meistgespielten Opern des 17. Jahrhunderts. Allein in Italien sind dreißig Einstudierungen bis 1689 verbürgt. Dann freilich verschwand das an Arien reiche Durcheinander aus dem Repertoire. Im 20. Jahrhundert wurde die Oper lediglich dreimal auf die Bühne gebracht: 1983 in London, 1990 in New York und 1999 in Pietro Antonio Cestis Geburtsstadt Arezzo. (jole)