Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 26.08.2019


Kabarett

Koschuhs „Hoamatl“: Die Politik lädt zum Tanz

Koschuh verwandelt in „Hoamatl“ so manche Steilvorlage treffsicher in einen Lacher.

Wie kann man sich „Dancing Stars“ mit Parteien als Kandidaten vorstellen? Bei Koschuhs „Hoamatl“ als große Lachnummer.

© SchlettererWie kann man sich „Dancing Stars“ mit Parteien als Kandidaten vorstellen? Bei Koschuhs „Hoamatl“ als große Lachnummer.



Telfs – Wer im Kabarett nicht vorkommt, der ist nicht wichtig. Deswegen dürften all jene Politiker, die im neuen Programm „Hoamatl“ von Kabarettist Markus Koschuh in irgendeiner Weise vorkommen, sich geehrt fühlen, denn sie sind (nicht nur) für die heimische Politik derzeit unabkömmlich. Darunter SPÖ-Sorgenkind Georg Dornauer, Blockabfertiger Günther Platter, oder „Whistleblower“ Sepp Tiefenthaler als lokale Steilvorlagen-Zulieferer, genauso wie die restlichen üblichen Verdächtigen: ein röchelnder Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Pferderanch-Urlauber Herbert Kickl und „Veni, Vino, Video“-Hauptdarsteller Heinz-Christian Strache. In all diese Rollen schlüpfte Koschuh während der Vorpremiere am Freitag im Rahmen der Telfer Volksschauspiele im Kranewitter Stadl; mitunter auch, um die brennenden Fragen der Gegenwart auf der Bühne zu stellen, etwa: Wie wird man denn Politiker?

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Weil sich gewohnheitsgemäß nicht nur diese, sondern gleich ein Haufen solcher Fragen stellen, braucht Koschuh als antwortender Sidekick dieses Mal Tom Neumayr, seinen langjährigen Tontechniker, der von der Regie aus im leichten Schein einer Nachttischlampe – somit also nicht gänzlich aus dem Off – zu Koschuh spricht; und das Programm damit auch gliedert.

Denn auch „Hoamatl“ lebt vom schnellen Wechsel zwischen Rollen und Sketchen: Koschuh als Servicedienstleister für „gescheiterte, noch nicht gescheiterte oder nicht gescheite Politiker“, Koschuh als Politiker, der in sein eigenes Ego verliebt ist. Letztere Rolle absolviert der Kabarettist übrigens singend – ein wahrer Höhepunkt des Programms. Auch bei Koschuhs „Dancing Stars“ mit Parteien als Kandidaten sind Lacher garantiert. Bereits bei der Vorpremiere funktionieren sämtliche musikalischen Einlagen und die meisten Sketche bereits einwandfrei. Koschuh legt sich dafür auch dementsprechend (körperlich) ins Zeug. Und dennoch: Einige Übergänge sind noch unausgegoren, auch die leisen, hinterfotzigen Gags zünden nicht durchgehend und werden wohl bis zur offiziellen Premiere noch um aktuelle Anspielungen erweitert werden müssen. Rund drei Wochen hat Koschuh dafür ja noch.

Aber gut, dass auch in „Hoamatl“ der moralische Zeigefinger nicht allzu oft erhoben wird. Denn eigentlich freut sich der Kabarettist über die zuweilen groteske Realpolitik, die sein Programm mitschreibt. „Lasst’s mir den Dornauer, den brauchen wir Kabarettisten noch“, resümiert Koschuh folgerichtig. (bunt)




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