Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 10.09.2019


Innsbruck

John Cleese in Innsbruck: Bunter Abend mit einem Frechdachs

Monty-Python-Comedian John Cleese bespaßt seine Fans in Innsbruck mit Auszügen aus seinem bitterbösen Schaffen und so manch schräger Pointe.

Locker vom Hocker. John Cleese, bald 80, lässt beim Auftritt vor seinen Innsbrucker Fans alte „Monty Python“-Zeiten wieder aufleben. Das funktioniert noch immer.

© Thomas Boehm / TTLocker vom Hocker. John Cleese, bald 80, lässt beim Auftritt vor seinen Innsbrucker Fans alte „Monty Python“-Zeiten wieder aufleben. Das funktioniert noch immer.



Von Markus Schramek

Innsbruck – John Cleese is in town. Der fast 80-jährige Mitbegründer der berühmt-berüchtigten englischen Comedy-Truppe „Monty Python“ gibt Innsbruck die Ehre. Sakko über ziemlich gut gefülltem Polo-Shirt, Jeans, ein Winker in die Runde: Weniger spektakulär ist der Gang auf eine Bühne kaum vorstellbar.

Doch Cleese muss bei seinem Gastspiel am Samstag im Congress auch nichts weiter tun, als über Highlights aus fünf Karrierejahrzehnten zu plaudern, von „Fawlty Towers“ bis „Ein Fisch namens Wanda“. Das wirkt. Ovationen beim Erscheinen, Ovationen beim Abgang.

Zeit ihres komödiantischen Lebens haben Cleese und die Pythons nach dem Motto „Frechheit siegt“ gewütet, den nächsten Fettnapf angesteuert und Tabus auf das Brachialste gebrochen. Böse Witze, schwarzer Humor, schlechter Geschmack vom Allerfeinsten: Dafür lieben die Fans Cleese, deshalb sind sie (in großer Zahl) gekommen. Und nehmen die Mühe auf sich, einem Abend in englischer Sprache zu folgen, noch dazu, wo die Akustik beim eingespielten Archivmaterial mitunter lausig ausfällt.

Doch bereits beim Anspielen mancher Sketches auf der Video-Wall ertönt Gelächter im Saal. Oft schon hat man es nämlich gesehen, wie der verfressene Herr im Restaurant nach dem Verzehr eines „winzigen Minzeplättchens“ zum Nachtisch explodiert. Oder wie honorige Damen im feinen Gewand die Schlacht von Pearl Harbor nachstellen, im Wege einer herzhaften Keilerei im Schlamm. Cleese kann sich den kommerziellen Erfolg dieses Treibens auch nicht recht erklären: „Wir hatten einfach die Lizenz, sehr dumm sein zu dürfen.“

Tausende Male hat er Scherzchen wie dieses (Achtung, weit unter der Gürtellinie!) wohl schon erzählt: „Was ist Schwarz-Weiß und kriecht am Boden? Eine verletzte Nonne.“ Die Freude über derlei Böses kann er trotzdem kaum verhehlen, immer wieder muss er selbst kichern.

Das F-Wort streut Cleese reichlich ein, „fucking“ dieses und „fucking“ jenes, dabei hält er sich selbst für den „am wenigsten vulgären“ der (insgesamt sechs) Pythons. Sich selbst würde er maximal als „naughty“ (unartig, ungezogen) einstufen, als Frechdachs also. Nun denn.

Gestärkt vom Pausentee, öffnet Cleese die Schatulle mit der Aufschrift „chauvinistisch“: Witze, mit denen verschiedene Nationen einander verspotten. Schweden mokieren sich über Norweger, „die nur sonntags mit Messer und Gabel essen“. Griechische Flugzeuge erkennt man „an den Haaren unter beiden Flügeln“. Doch ist das alles nichts gegen Cleveland, Ohio, das übelste Kaff ever, zumindest nach Cleese: „Was ist der Unterschied zwischen einer Eigentumswohnung in Cleveland und einer Geschlechtskrankheit? Letztere wird man auch wieder einmal los.“ So geht es dahin, der Lachpegel ebbt kaum ab.

Cleese konfrontiert alsdann sein Publikum mit dessen Endlichkeit. Sektorenweise wird der Saal nach den häufigsten Sterbeursachen eingeteilt. „Last time to see me before I die“ lautet ja auch der Titel dieses abgründig-humorvollen Abends.

Dann macht Cleese die Fliege und lässt sich zu keiner einzigen – nicht einmal winzigen – Zugabe hinreißen.

Irgendwann ist einfach Schluss mit lustig.