Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 25.09.2019


Bühne

Verein „SpectArt“: Mit Theater fürs Leben lernen

Drei interaktive Theaterabende erproben das zivilgesellschaftliche Potenzial der Bühne.

David Diamond gastiert mit dem interaktiven Projekt „Theater zum Leben“ ab Donnerstag, 29. September, im Innsbrucker Haus der Begegnung. Beginn ist um 19.30 Uhr. Details und weitere Infos: www.spectact.at

© MathesonDavid Diamond gastiert mit dem interaktiven Projekt „Theater zum Leben“ ab Donnerstag, 29. September, im Innsbrucker Haus der Begegnung. Beginn ist um 19.30 Uhr. Details und weitere Infos: www.spectact.at



Innsbruck – „Theater ist wie ein Flugsimulator“, sagt Armin Staffler. „In geschütztem Rahmen können Handlungen durchgespielt – und echte Erfahrungen gemacht werden.“ Verhaltensmuster ließen sich dadurch einordnen und gegebenenfalls ändern, so der Innsbrucker Politologe. Seit mehreren Jahren beschäftigt sich Staffler mit seinem Verein „SpectArt“ mit politischem und sozialem Theater. Im kanadischen Theatermacher David Diamond hat er einen namhaften Mitstreiter gefunden. Diamond ist Schüler des brasilianischen Regisseurs Augusto Boal (1931–2009), der bereits vor gut fünf Jahrzehnten das Theater als gesellschaftsverändernden Spielraum erprobte.

Von diesem Donnerstag bis Samstag bieten Diamond und Staffler im Innsbrucker Haus der Begegnung drei „Modellaufführungen“ an, bei denen drängende Zeitthemen – etwa die Angst vor dem Fremden oder die drohende Klimakatastrophe – im Rahmen interaktiver Stückerarbeitungen behandelt werden. Den Stoff dafür liefert das Publikum, dessen Geschichten zur Grundlage für die Stücke werden. „Niemand wird zwangsverpflichtet, trotzdem entwickeln sich Erzählung und Figuren ganz organisch aus dem, was die Zuschauer mit in den Abend bringen“, erklärt Staffler. „Gefühle wie Fremdheit, Zorn oder Scham werden in neue Geschichten übertragen und dadurch verallgemeinert. Dadurch werden andere Perspektiven und neue Handlungsmöglichkeiten sichtbar.“

Die mit „Theater zum Leben“ überschriebenen Modell­aufführungen sind Teil eines längerfristigen Projekts. In jeder Form von Gemeinschaft können die auch auf der Bühne erprobten Instrumente angewandt werden, sagt Staffler. Deshalb wird es Anfang Oktober Workshops mit Vertretern verschiedener Organisationen – darunter Rotes Kreuz, Klimabündnis Tirol oder die Tiroler Kulturinitiativen TKI – geben, in denen das zivilgesellschaftliche Potenzial theatralen Lernens für andere Lebensbereiche adaptiert wird. (jole)

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