Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 28.09.2019


Jubiläum

Zum Feiern in den Keller: Innsbrucker Kellertheater wird 40

Das Innsbrucker Kellertheater wird 40. Trotz angespannter Finanzlage ist der Optimismus ungebrochen. Mit Thomas Bernhards „Der Theatermacher“ startet die neue Spielzeit.

So schön war die Zeit. Elmar Drexel, Manfred Schild und Klaus Rohrmoser (von links) schwelgen in Kellertheater-Erinnerungen.

© KellertheaterSo schön war die Zeit. Elmar Drexel, Manfred Schild und Klaus Rohrmoser (von links) schwelgen in Kellertheater-Erinnerungen.



Von Markus Schramek

Innsbruck – Das Innsbrucker Jugendzentrum MK, je nach Standpunkt ein Bürgerschreck bzw. ein Hort der Kreativität, hat Spuren hinterlassen. Eine befindet sich abseits des Tageslichts unter dem Adolf-Pichler-Platz. Dort wurde vor 40 Jahren das Kellertheater gegründet. Vier schauspielernde MKler legten selbst Hand an, um Säulen und sonstige Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Elmar Drexel (später Kellertheaterleiter, Schauspieler und Regisseur), Josef „Joschi“ Kuderna und Christoph Rohrbacher (die beim ORF Karriere machten) sowie Herbert Prock (ehemaliger SPÖ-Tirol-Chef) waren anno 1979 die Gründerväter des Kellertheaters.

40 Jahre später nehmen am selben Ort drei Herren vor der Presse Platz: der aktuelle Theaterleiter Manfred Schild, Regisseur und Schauspieler Klaus Rohrmoser und Gründungsmitglied Elmar Drexel.

Anekdoten werden erzählt, Reminiszenzen wiederbelebt. Rohrmoser, der an dieser Stelle im Oktober 1979 die erste Premiere inszenierte (weitere 264 Produktionen sollten bis heute folgen), fasst vier Jahrzehnte Kellertheater so zusammen: „Zu Beginn war die Irritation durch das Kellertheater größer, heute ist die Qualität besser.“ Drexel erinnert sich an mehrere Container Bauschutt, die in den Wochen vor dem Start nach oben befördert werden mussten. Die Malerarbeiten dauerten bis zuletzt. Am ersten Spielabend waren die Wände im neuen Theater noch feucht.

Baulich hat sich seither nicht viel verändert. Die Frischluftzufuhr wurde verbessert, eine Sauna-Stimmung soll auf den Rängen (75 Plätze) nicht mehr herrschen. Manfred Schild, der das Kellertheater seit 2009 leitet, fallweise auch selbst Regie führt und Stücke schreibt, will das Ambiente belassen, wie es ist: „Unser Theater lebt von der intimen Atmosphäre, man ist nahe dran am Geschehen.“

„Spielen, spielen, spielen“, lautet Schilds Motto. Das bedeutet fünf Aufführungen pro Woche, „denn ein Theater, in dem abends das Licht nicht angeht, das lebt nicht“. Nur einmal in 40 Jahren musste eine Aufführung krankheitshalber abgesagt werden.

Zu sehen gab es auf der Bühne viel von dem, was Schauspiel eben so hergibt. „Künstlerische Höhenflüge und manchen Bauchfleck“, wie es Schild formuliert. Karrieren nahmen im Kellertheater ihren Anfang, die steilste davon ist wohl jene eines gewissen Tobias Moretti.

Schild will über die finanzielle Lage nicht jammern, natürlich bewege man sich stets am Limit und feiere jedes weitere Jahr. Die Zuschüsse sind seit Jahren unverändert. Land Tirol (70.000 Euro), Stadt Innsbruck (85.000) und der Bund (48.000) steuern zusammen 203.000 Euro an Förderungen bei. Die zweite Hälfte des Jahresbudgets von 410.000 Euro bestreitet das Theater aus Eigeneinnahmen: den Ticketerlösen aus rund 200 Vorstellungen pro Jahr.

Die Spielzeit 2019/20 wartet mit großen Namen auf. Am 4. Oktober geht es mit Thomas Bernhards „Der Theatermacher“ in der Regie von Verena Schopper los. Klaus Rohrmoser übernimmt die Hauptrolle, Elmar Drexel ist als Wirt dabei. „Das Stück zeigt hervorragend den Wahnsinn und die Faszination eines Theaterbetriebs“, befindet Schild.

Später im Jahr folgt als Uraufführung „Die Dichtersgattin“ (ab 27.11., nach dem Roman von Mario Schlembach), abwechselnd mit Gabriel Baryllis „Butterbrot“ (Wiederaufnahme). Ab 28.1. steht mit „Kaschmirgefühl“ (basierend auf Bernhard Aichners „kleinem Roman über die Liebe“) eine weitere Uraufführung auf dem Programm. Und mit „Frühstück bei Tiffany“ nach Truman Capote (ab 27.3.) hält große Weltliteratur Einzug ins kleine Theater im Keller.