Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 12.10.2019


Bühne

Bunte Kistenpuppen von Johann Nestroys Gnaden

Der Schauspieler Johannes Krisch gibt in Nestroys „Einen Jux will er sich machen“ sein spätes Josefstadt-Debüt.

Reichlich Publikums-Zuspruch: Johannes Krisch steigt als „Weinberl“ die Karriereleiter hinauf und hinunter.

© APAReichlich Publikums-Zuspruch: Johannes Krisch steigt als „Weinberl“ die Karriereleiter hinauf und hinunter.



Wien – Irgendetwas muss die Langzeitbeziehung des 2017 zum Kammerschauspieler geadelten Johannes Krisch zu seinem Stammhaus, dem Burgtheater, gründlich in Schieflage gebracht haben. Zu vernehmen sind kryptische Aussagen des Künstlers gepaart mit der glaubhaften Beteuerung, dass die gewünschte Karenzierung nichts mit der Person des neuen Direktors Martin Kušej zu tun habe. Sei’s drum, dem guten Händchen und den offenen Armen von Josefstadt-Intendant Herbert Föttinger ist es zu verdanken, dass der angesehene Schauspieler nun erstmals an der Bühne im 8. Wiener Bezirk zu bewundern ist.

In Johann Nestroys Frühkapitalismus-Posse „Einen Jux will er sich machen“, uraufgeführt 1842, schlüpft er in die Rolle des Gewürzhändler-Gehilfen Weinberl, der sich, bevor er als Kompagnon seines Chefs in höhere gesellschaftliche Gefilde aufsteigt, noch einmal als „verfluchter Kerl“ unter Beweis stellen möchte. Weinberl beschließt im Verein mit dem Lehrbuben Christopherl (Julian Valerio Rehrl), die Abwesenheit von Geschäftsinhaber Zangler (Robert Joseph Bartl, bekannt als Gerichtsmediziner im München-„Tatort“) zu nützen und sich in der nahen Großstadt „einen Jux zu machen“.

Was gründlich schiefgeht und mit Nestroys anarchistischem und entlarvendem Wortwitz ein Verwechslungsspiel mit gesellschaftspolitischem Tiefgang zur Folge hat, begleitet von einer beinharten Analyse bezüglich Ehe als Handelsware. Von alledem ist in der Inszenierung des Schweizer Regisseurs Stephan Müller wenig vorhanden, zielt seine Herangehensweise doch eher ab auf bunte Harmlosigkeit mit einem gut austarierten Ensemble, schicker Bühne und feiner Musikbegleitung (Thomas Hojsa, Matthias Jakisic). Sophie Lux baut auf eine Wand mit allerlei Türchen und Fensterchen, zieht im Reich von Frau Knorr (Martina Stilp) und deren Freundin Frau von Fischer (Alexandra Krismer) sämtliche Rüschenregister und verbannt das altjüngferliche Fräulein von Blumenblatt (Elfriede Schüsseleder) in eine samtgepolsterte Gummizelle.

All das ist nett anzusehen, Martin Zauners Hausknecht Melchior gelingt, wie er sein soll, nämlich „klassisch“, dennoch ist dieser „Jux“ ziemlich lau, wie leider auch die Couplets des österreichischen Autors Thomas Arzt. (lietz)