Letztes Update am Do, 13.12.2012 22:53

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bühne

Ans Ende denken sie zuerst

Die freie Theaterszene hat seit Samstag ein Dach über dem Kopf. Dass apokalyptische Zustände herrschen, ist gewünscht – und bis 21. Dezember Programm des freien Theaterfestivals.



Von Christiane Fasching

Innsbruck – „This is the end“, hallt‘s durch die Räumlich­keiten des neuen Theaterhauses in der Wilhelm-Greil-Straße, das seit Samstag nicht mehr nur Traum, sondern endlich Wirklichkeit ist. Noch riecht‘s nach frischer Farbe – passt irgendwie zum frischen Wind, der spürbar ist. Aber warum dann dieser Endzeitsong und keine aufmunternde Aufbruchshymne? Ganz einfach: Ein frisch-fröhliches Liedchen würde das Motto des freien Theaterfestivals, das in seiner dritten Auflage „Endlich Weltuntergang!“ skandiert, ad absurdum führen. Weil am 21. Dezember bekanntlich Schluss mit allem irdischen Leben sein soll, wird also davor noch einmal heftig mit der Apokalypse gespielt.

Am Anfang des neuen Theaterhauses steht somit das Ende – und das dreiwöchige Theaterfestival, das mit zehn Produktionen (siehe Factbox) aufwartet, die eine Werkschau der freien Szene bieten wollen. Das Eröffnungsstück „Hasta la vista, baby“ beeindruckt dabei vor allem durch sein irrwitziges Konzept: Fünf Autoren, fünf Regisseure und drei Schauspieler veranstalten eine Apokalypse in Raten – im Viertagesrhythmus entsteht ein fünfteiliges Seifenopern-Theater, bei dem in jeder Folge einer der Akteure hopsgehen muss. Doch die Leich‘ kann und soll reanimiert werden – sonst wäre das Schauspiel-Trio ja viel zu rasch ausgelöscht.

Zum Start erweckte am Samstag Regisseur Klaus Reith­berger den Text von Petra Maria Kraxner zum Leben. Na ja, eigentlich zum Tod. Im Zentrum des speedig-blutigen Mini-Stücks steht nämlich die „Arche Exit“, ein Freitod-Rundumservice, bei dem sich todmüde Lebensmüde mit giftigen Tränken ins Jenseits bechern können. Frau Doktor Dina (Dina Prodinger) leitet das mörderische Institut, in dem der jobsuchende Phil (Philipp Rudig) anheuert. Menschen ums Eck zu bringen, behagt ihm nämlich immer noch mehr, als mit seinem Gurken schnippelnden Lebensgefährten Yannick (Yannick Amadeus Lamarque Dagot) Rohkost-Safterln zu kippen. Am Ende sieht der Gemüsefan die Radieschen von unten – doch die Show wird weitergehen, versprechen die Überlebenden.

Bei den anschließenden Eröffnungs- und Dankesreden appellierte Stefan Raab, der Obmann des Vereins „Freies Theater Innsbruck“, an das Miteinander freien Szene. „Wenn wir alle zusammenhalten, ist etwas Tolles möglich“, wollte er keine Untergangs-, sondern Aufbruchstimmung verbreiten. Auch Innsbrucks Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer wünschte sich einen Aufschub der Apokalypse – und forderte die Theatermacher auf, weiterhin „nicht still“ zu sein, sondern die Außenwelt „mit Fragen und Wünschen“ zu konfrontierten.

Seitens der Stadt flossen – wie die TT berichtete – 970.000 Euro in die Theater­räumlichkeiten, laufende Zuschüsse sind garantiert. Die freie Theaterszene wird also offenbar wertgeschätzt. Auch zur Freude von Thomas Gassner, dem künstlerischen Leiter des Festivals, das von Stadt und Land mit 120.000 Euro gefördert wird. Das satte Sümmchen schnappte sich am Samstag dann aber Arnold Schwarzenegger, der zur Eröffnung im Seidenpyjama aufgetaucht war und sich dabei so gar nicht ähnlich sah. Des Rätsels Lösung: War alles nur Theater. Die Show kann also wirklich weitergehen.




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