Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 01.08.2015


Film und TV

"Planet Ottakring": Grexit im Wiener Grätzl

Michi Riebls „Planet Ottakring“ ist der Film der Stunde. Nach der Vorpremiere heute Abend im Zeughaus-Open-Air kommt die schrille Krisenkomödie Mitte August ins Kino.

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© Luna Film



Von Peter Angerer

Innsbruck – Die größte Tragödie im Kino ist immer die misslungene Komödie, weshalb aus Angst vor dem Scheitern die meisten Regisseure dieser schwierigen Gattung aus dem Weg gehen. Außerdem wird das Lachen nicht gerade mit Wertschätzung belohnt, Komödien hängt noch immer der Ruf belangloser Unterhaltung nach. Besonders beim österreichischen Filmschaffen gibt es nicht viel zu lachen, die Latte der Ernsthaftigkeit liegt zudem mit den Arbeiten von Michael Hanek­e und Ulrich Seidl ziemlich hoch. Heimische Kinogeher müssen dann schon, wollen sie lachen, den „Keller“ ihrer Abgründe aufsuchen. Dabei liegen die Komödienstoffe in Österreich buchstäblich auf der Straße.

Mike Majzen, der seinen Lebensunterhalt mit dem Schreiben von TV-Serien (45 Folgen „SOKO Donau“) verdient, hat diese Lose-Blatt-Sammlung aus Realsatire und historischen Ereignissen aufgelesen und in ein Drehbuch für Michi Riebl verwandelt, der mit „Planet Ottakring“ sein Kinodebüt abliefert.

„Planet Ottakring“ ist die Komödie zur Krise und damit der Film der Stunde. Erzählt wird eine Geschicht­e über Ohnmacht und das Geld, „das nicht weg ist, das nur ein anderer hat“. Bei Majzen und Riebl endet der Geldfluss bei Sylvia Jahn (Susi Stach), die mit ihrem Kreditunternehmen den Menschen im sechzehnten Wiener Gemeindebezirk Existenz und Lebensfreude raubt.