Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 08.09.2015


Von hier aus

Die Camera obscura auf dem stillen Ort

Johanna Kirsch und Katharina Lampert dokumentieren in ihrem Film „Von hier aus“ drei alternative und sympathische Modelle für ein besseres Leben.

© Krisch/LampertDas „Wieserhoisl“ im weststeirischen Hügelland wird von einem Hofkollekti­v betrieben, das auch bedrohtes Saatgut pflegt.Foto: Kirsch/Lampert



Innsbruck – Der Belgier Wim Cuyvers war 25 Jahre lang Architekt und Universitätsprofessor, bevor er sich im französischen Jura einen Berg kaufte, den er seither als Förster betreut. Zugleich wollte er die Grenze von Privateigentum und öffentlichem Raum aufheben, weshalb sein Berg für alle zugänglich ist. Besuche­r, die bei Cuyvers nächtigen wollen, müssen aller­dings auf Elektrizität und fließendes Wasser verzichten. Als Attraktionen werden dafür ein gigantischer Wasserfall und eine von einer Architekturstudentin gebaute Camera obscura, die das Plumpsklo illuminiert, angeboten.

Für das aus acht Menschen gebildete Hofkollektiv, das seit einigen Jahren den Bauernhof Wieserhoisl im weststeirischen Hügelland betreibt, ist ein Trockenklo das Zeichen ökologischen Bewusstseins. Nebenbei bewahren die Öko-Bauern als Mitglieder der europäischen Saatgutinitiative „Zukunft säen – Vielfalt ernten“ auf ihrem Pachthof auch ein „Arche Noah Sortenhandbuch“. Konflikte gibt es nur manchmal bei ohnehin bescheidenen egoistischen Konsumwünschen.

Ute Schiran war in ihrem früheren Leben Schauspielerin, Sängerin, Schriftstellerin, Hebamme und Ärztin. Mit ihrer Freundin Rita kaufte sie vor 17 Jahren in Portugal an einer entlegenen Küste Land und hat sich dort als „Schamanin“ eingerichtet. Die einzigen Konzessionen an Zivilisation und Bequemlichkeit sind ein mobiler Internet­anschluss für ihre Textarbeite­n und ein Herd, der das Kochen mit Gas ermöglicht.

Diese drei alternativen Modelle für ein besseres Leben haben die Regisseurinnen Johanna Kirsch und Katharina Lampert für ihren Dokumentarfilm „Von hier aus“ ausgewählt und kurzweilig montiert. Beide kommen – heute um 19 Uhr – zur Premier­e in der Reihe Kinovi(sie)on ins Leo-Kino. Ab Freitag läuft der Film im regulären Kino­programm. (p. a.)




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