Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 21.10.2015


Film und TV

TV-Hauptrolle für Tochter von Tobias Moretti

In einem „Universum History“ zu den Olympischen Spielen 1936 spielt Antonia Moretti die jüdische Schwimmerin Judith Deutsch, die einst die Nazis verkraulte.



Innsbruck – Am Montag fiel die erste Klappe für eine neue Folge aus der Reihe „Universum History“, die um die Olympischen Spiele von 1936 kreist, die in Berlin zur ultimativen Machtdemonstration des NS-Regimes werden sollten. „Olympia 36 – Der verratene Traum“ nennt sich die Produktion, die im kommenden Jahr im ORF auf Sendung gehen wird und der jüdischen Schwimmerin Judith Deutsch ein filmisches Denkmal setzen will. Die damals 18-Jährige, die 1935 zur Österreichischen Sportlerin des Jahres gewählt worden war, zählte zu den bekanntesten Schwimmerinnen des jüdischen Sportvereins Hakoah Wien – und weigerte sich aus Protest gegen die NS-Rassen- ideologie, an den Olympischen Spielen in Berlin teilzunehmen. Und das, obwohl eine Medaille als so gut wie sicher galt.

In der Folge wurde sie vom Österreichischen Schwimmverband lebenslang gesperrt, zudem wurden ihr alle nationalen Titel aberkannt. Erst im Jahr 1995 wurde die mittlerweile nach Israel emigrierte Sportlerin rehabilitiert. Eine Einladung nach Österreich zu kommen, wo sie sich ins offizielle Buch der rot-weiß-roten Schwimmrekorde hätte eintragen sollen, lehnte sie jedoch kategorisch ab. Aber sie akzeptierte in der Folge ein offizielles Entschuldigungsschreiben des ÖSV, das ihr von einer österreichischen Delegation in ihre Wahlheimat überbracht wurde.

Verkörpert wird die offenbar zeit ihres Lebens resolute Wienerin, die 2004 im Alter von 86 Jahren in Herzlia starb, von Antonia Moretti, der ältesten Tochter von Tobias Moretti. Für die 17-jährige Tirolerin ist es die erste Fernseh-Hauptrolle, allerdings nicht ihr erstes filmisches Engagement. In Vanessa Lapas Kinodokumentarfilm „Der Anständige“, der auf dem persönlichen Nachlass des SS-Führers Heinrich Himmler basiert, lieh sie Himmlers Tochter Gudrun die Stimme. Ihr prominenter Vater wiederum sprach den erwachsenen Himmler, ihr Bruder Lenz den jungen Heinrich. Der Film, an dem Regisseurin Lapa sieben Jahre lang gearbeitet hatte, stieß international auf große Anerkennung. (fach)


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